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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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I. Entdeckungsgeschichte.

von Perth über Land nach Albany. Was man im Inneren fand, war im ganzen wenig erfreu­lich, spärliche Vegetation in den wenigen wasserführenden Flußthälern, viel Scrub, wüstenartige Gegenden mit Salzseen und Ode ringsum.

Trotzdem wurden die Versuche, ins Innere vorzudringen, fortgesetzt, von Roe 1836, Londor und Lefroy 1842 im Gebiet der Flüsse Hotham und Arthur und 1848 von Noe dem Avon entlang und zur Südküste östlich der Stirlingkette. Dann aber trat hier eine Pause bis zum Jahre 1861 ein, und auch die Unternehmungen von Harper, Clarkson und Dempster 1861, Lefroy, Edwards und Robinson 1863, Hunt 1864 und der Vrüder Dempster 1865 halten im allgemeinen nur den Erfolg, die Größe der Schwierigkeiten - zu zeigen, die dem Reisen im Inneren entgegenstehen.

Weit erfolgreicher waren die Unternehmungen im nördlichen Teile der Westküste. Hier sind vor allem die bedeutenden Reisen des Kapitäns Grey (seit 1839) zu erwähnen. Schon 1837 hatten Grey und Lushington von der Collier-Bai aus einen vergeblichen Versuch gemacht, in das Tasman-Land einzudringen, l 839 den Gascoynestuß entdeckt und infolge Schiffbruches an der Gantheaume-Vai die Küste von hier bis Perth mühsam begangen. Ihre günstigen Schilderungen des Landes veranlaßten dessen Untersuchung 1840. Doch entsprachen die Ergebnisse nicht den Erwartungen. Immerhin wurde die Aufmerksamkeit auf den Nordwesten gelenkt.

Daher zog A. Gregory 1846 mit Helpman von Toodyay über den Vrown-See zum Jack­son-Berge, sah auch den von Hillmann kurz vorher entdeckten salzigen Moore-See und unter­suchte 1847 das Land zwischen den: Schwan- und Arrowsmith-Fluß genauer. 1848 nahn: er, von der Regierung beauftragt, das Küstenland nach Norden hin weiter zu erforschen, den Mur- chison-Fluß auf, war aber wegen der Öde des nördlicheren Landes nicht in: stände, nach dein Haien-Sund ,Sharks-Ball durchzubrechen. Dies gelang ihn: erst 1852 auf einer neuen Reise. Endlich entdeckte Austin 1854 den Austin-See und erreichte den Murchison, vermochte aber nicht, von dort zum Haien-Sund zu gelangen.

Weiter ins Innere einzudringen, ist erst Frank Gregory, Sholl, Alexander Forrest und Giles gelungen; doch fallen diese Reisen in eure spätere Zeit.

6. Die Erforschung des Inneren.

Die Erforschung des Inneren Australiens konnte erst in Angriff genommen werden, nachdem die Randlandschasten, vor allein der Osten und Süden bekannter geworden waren, und nachdem man sich im Anschlich daran mit der Natur des Übergangsgebietes von den Küsten nach dem Inneren vertrauter gemacht hatte.

Da das Stromgebiet des Darling und Murray erst zu Anfang der dreißiger Jahre genauer untersucht worden ist und man im Süden und Westen fast überall sogar schon unmittelbar an der Küste ein abschreckend ödes, anscheinend nichts versprechendes Land fand, muß man sich noch wundern, daß die erstell ernstlichen Vorstöße ins Innere schon so früh, nämlich im Jahre 1844, gemacht worden sind. Der erste, der es wagte, das unbekannte, vielfach wasserlose Innere zu bereisen, war der berühmteste und wegen seines tragischen Schicksals bekannteste aller austra­lischen Forschungsreisenden, ein Deutscher, Dr. Ludwig Leichhnrdt (s. Abbildung, S. 25). Am 23. Oktober 1813 zu Trebatsch bei Veeskow in der Mark Brandenburg geboren, begab er sich nach umfassenden philologischen und naturwissenschaftlichen Studien 1841 nach Australien und bereiste hier in den folgenden Jahren das östliche Gebirge zwischen dem Hunterstuß und Bris- bane. Hierdurch vorbereitet, trat er 1844 von der Moreton-Bai aus seine erste große Reise an. Als Alisgangspunkt wählte er die Ansiedelung Jimba bei dem jetzigen Dalby. Er verfolgte