Der Kongostaat.
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Ein Sklavenhandel und Sklaventransport besteht bekanntlich im Gegensatz zu Ost- und Nordostafrika an der Südwestküste dieses Erdteils, soweit es die Beteiligung von Weißen an demselben betrifft, nicht mehr, die portugiesischen Kolouieen etwa ausgenommen, wo eine Art Zwangsarbeit auf Zeit mit einer gewissen Berechtigung noch aufrecht erhalten wird. Das letzte Sklavenschiff hat etwa 1874 die Kongomündung verlassen, es kommt also diese Seite der Sklavenfrage für die Kongoländereien nicht mehr mit in Betracht. Aber gerade diese war die gehässigste. Im allgemeinen läßt sich wohl sagen, daß erst durch die Rohheit und Grausamkeit, mit welcher die Europäer die Sklaven, namentlich als der Handel mit denselben für illegitim erklärt und verpönt wurde, behandelten, die Institution den verabscheuungswürdigen und hassenswerten Charakter angenommen hat. Die Sklaverei unter Negern selbst hat einen ganz anderen, viel milderen Charakter. Der Neger betrachtet seinen Sklaven nicht wie der Europäer als eine Maschine, die man zu energischer Thätigkeit anspannen und ausnutzen muß, um Geld mit ihr zu verdienen, sondern ihm gilt der Sklave, da er selbst die rastlose Thätigkeit des Europäers nicht kennt, vielmehr als ein Mittel zur Gewinnung eines vermehrten Ansehens, denn als ein wenig rentables Anlagemittel seines Vermögens. Die Sklaverei unter den Negern selbst hat viel mehr den Charakter der Hörigkeit, als den, welchen wir gewöhnlich unter der Bezeichnung Sklaverei verstehen. Die Institution der Sklaverei ist daher aus das innigste mit dem ganzen Wesen der Neger verwachsen.
III.
Die Negerkönigreiche am unteren Kongo.*)
Der Distrikt zwischen dem Kongo und Loango, letzteres mit eingeschlossen, ist in drei Königreiche eingeteilt: Ngoyo oder Cabinda, Kakongo und Loango. Jedes ist von ziemlich beträchtlicher Ausdehnung, und hinsichtlich der Größe stehen sie zu den winzigen
*) Herr N. C. Phillips, seit vielen Jahren in Ponto da Lenha an der Kongomündung als Kaufmann ansässig, übersandte der Geographischen Gesellschaft in Bremen ein interessante sociologische Studie über „die Volksstämme am Kongo" (Deutsche Geogr. Blätter, 1884, Heft 4), woraus wir die nachstehende Skizze herausgehoben haben.