Der Kongostaat.
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mit Natron mischen, zuweilen auch zum Schnupfen; erst in der Nähe des Benue wird das Rauchen allgemein.
An Abwechslung fehlt es bei dieser Fahrt natürlich nicht; zahlreiche Herden von Flußpferden, Haufen fauler Kaimans, die sich auf den Sandbänken sonnten, fliegende Fische, die unser Fahrzeug umgaukelten, in den dichtbelaubten Bäumen am Ufer Herden von Affen aller Art, die neugierig auf uns herunterschalten, — hier und da, und dies meist am linken Ufer, ein Negerdorf. Auch sah ich die mannigfaltigsten Vorkehrungen zum Fischfänge; sie nahmen sich wie große Vogelbauer aus und standen überall an seichten Stellen im Benue. Die Zeit wurde mir nicht lang. Nachts legten wir bei einer Sandbank inmitten in: Strome bei, unterhielten aber immer Feuer, damit die gefräßigen Kaimans nicht zu nahe herankämen. Am dritten Tage endlich waren wir im Angesichts Amahas, wo wir bei Sultan Schimmegö, einem Freunde des verstorbenenDr. Baikie, die freundlichste Aufnahme fanden.
Der Kongoülmt.
I.
Umfang des Kongostaates. — Ergebnisse deutscher Durchforschungen des Landes. — Das eigentliche Königreich Kongo. — Die eingeborenen Könige und Häuptlinge. — Die internationale Gesellschaft.
Der Kongostaat, d. h. das Areal, worin durch den Berliner Kongreß dem König der Belgier die Ausübung der Souveränität als ausschließliches Recht vertragsmäßig verbürgt worden ist, umfaßt einen Länderkomplex, der fünf- bis sechsmal so groß wie Deutschland ist, aber weder 80 Millionen Einwohner, nach Stanley, noch 25 Millionen, nach Hübner, sondern, nach Pr. L. Kund, höchstens 10 Millionen E. zählt, von denen Vio noch keinen Weißen gesehen haben. So erfreulich es auch ist, daß der neue Staat, dem der hochherzige König der Belgier seine Fürsorge zuwendet, die Ausbreitung europäischer Kultur im Herzen von Afrika mächtig