Deutsch -Aquatoriat-Afrika.
Notwendigkeit des Reichsschutzes in Westafrika. — Umfang des Togolandes (1887). — Beschreibung der Küste und des Binnenlandes. — Die Hauptortschaften. — Ein afrikanischer Nero. — Kulturzustände.
Der deutsche Handelsverkehr im tropischen Westafrika übersteigt heute weit den Wert von lO'O Millionen Mark, worunter allein für mehr als 35 Millionen Mark Palmkerne und 40 Millionen für Palmöle; ein Verkehr, der noch weit riesenhaftere Verhältnisse annehmen wird, wenn einmal, was in nächster Zukunft sicher zu erwarten steht, die dichte Negerbevölkerung der Hinterländer dem Handel in weiterem Umfange als bisher zugänglich geworden sein wird. An der Küste von Guinea haben zahlreiche Hamburger und Bremer Häuser Niederlassungen und Handelsfaktoreien, u. a. Woermann 74, und die Thatkraft der Deutschen beginnt sogar an mehreren Punkten, z. B. in Lagos, die Engländer vom Markte zu verdrängen.
Bis zum Jahre 1884 war dieser ganze Verkehr der Willkür der Negerbevölkerung ausgesetzt, und bei den häufigen Streitigkeiten auf die nicht immer zuverlässige Hilfe der Engländer oder Franzosen angewiesen, welche sich nicht selten des Landes mit den blühenden Niederlassungen der Deutschen bemächtigten und als neue Kolonie unter ihre eigene Schutzherrschaft stellten. Allen diesen Benachteiligungen des deutschen Handels in Äquatorial-Westafrika wurde im Sommer 1884 dadurch ein Ende gemacht, daß der Forschungsreisende vr. Nachtigal als Kaiserlicher Generalkonsul auf der Küste des Togolandes und des Kamerungebietes die deutsche Schutzherrschaft proklamierte.