Bilder aus der Kolonie am Kamerun.
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VIII.
Klima und Gesundheitsverhältnisse der Kolonie Kamerun.
I. Die Vorzüge.
In klimatologischer Hinsicht sind die Verhältnisse des Kamerungebietes ziemlich günstig. Es ist weder sehr heiß noch sehr ungesund. Überhaupt gehört die Westküste Afrikas, ihre nördlicheren Teile ausgenommen, zu den vergleichsweise kühlen Tropengebieten, und es scheint für dieselben ein Gesetz zu sein, daß die höchsten Temperaturen von Nord nach Süd abnehmen, mit mancherlei Un- stetigkeiten zwar, aber völlig unbekümmert um den Äquator. In St. Louis am Senegal unter 16 Grad nördlicher Breite sind 40 Centigrade keine Seltenheit, in Loando unter 8 Gr. südlicher Breite ist innerhalb dreier Jahre, aus denen exakte Aufzeichnungen vorliegen, kein höherer Thermometerstand beobachtet worden, als 35 Centigrade oder 28 Gr. R., was auch zu Hause in Deutschland fast jeden Sommer an einem oder zwei Tagen vorkommt. Nicht viel anders dürfte auch in Kamerun die Temperaturbewegung sich herausstellen, und wahrscheinlich ist es hier weniger heiß als an der Kongomündung. Dazu kommt noch als lokaler Vorzug der eigentlichen Kamerunortschaft die täglich in den Vormittagsstunden mit großer Pünktlichkeit auftretende Seebrise, aus Südwest, die so wild und ungestüm zu Fenstern und Thüren hereinweht, daß die Gardinen sich gleich Flaggen aufbäumen und alle nicht mit der peinlichsten Sorgfalt beschwerten Papiere auf- und davonfliegen. In der ersten Nachthälfte schläft die Seebrise ein und wird dann von einem viel schwächeren, oft kaum bemerkbaren Landwinde aus Nord abgelöst, der bis etwa 9 Uhr morgens anhält. Ab und zu, namentlich des Morgens nach regnerischen Nächten, kann man sogar ordentlich frieren. Das Regenwasser hat gewöhnlich 23 Centigrad und wirkt dann, getrunken, als köstliche Erfrischung. Allerdings lernt man auch hier die Sonne hassen, wenn sie einmal ordentlich durchbricht, und bald wird man eine gleichförmige graue Bewölkung des Himmels, wie sie zum Glück bisher Regel war, als das angenehmste Wetter schätzen.
Noch viel weniger als hier in dem eigentlichen Kamerun hat man in den herrlichen Waldregionen der Nachbarschaft, welche uns nicht bloß im Norden, gegen den Berg zu, sondern ziemlich allseitig