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Deutsch-Äquatorial-Afrika.
IV.
Kulturbilder aus den Anfängen der Kamerunmission.*)
Gräuel des Heidentums. — Der Missionar Saker und seine heldenmütige Ausdauer und Wirksamkeit. — Wie er die Duallasprache lernt. — Verfolgungen.
Bis in die neueste Zeit hat im Kamerungebiete die grauenhafteste Barbarei geherrscht und der Handel, auf der untersten Stufe, der des Tausches stehend, für die soziale und sittliche Hebung der Negerbevölkerung noch sehr wenig leisten können. Vor dem Jahre 1850 bauten die Neger nicht einmal in hinreichender Menge die Nahrungspflanzen, von Kulturen für den Export konnte also keine Rede sein; Handeltreiben, Betrügen und Stehlen gaben ihnen die Mittel, ihre Bedürfnisse an Branntwein, Baumwollengewebe, Tabak u. s. w. zu befriedigen. Trunksucht und Blutrache waren an der Tagesordnung. Der Aberglaube veranlaßte viele Mordthaten. Nicht selten wurde der Tod eines Negers der Zauberei zugeschrieben, und der Dschudschu-Mann spürte den Missethäter auf, der getötet und in den Fluß geworfen wurde; ebenso wurde bei Epidemieen für jeden Gestorbenen ein zweites Opfer geschlachtet; der gestorbenen Wöchnerin wurde das Kind mit ins Grab gegeben.
Wenn auch hierin in neuester Zeit einige Besserung einzutreten scheint, so dauert das Unwesen der Geheimbündelei (S. weiter unten: Der Egboebund von Pros. Dr. Bastian) noch fort. Jeder Stamm, ja jede Klasse eines Stammes (Freie, Halbfreie und Sklaven) hat seine besondern Mysterien, die von den Mitgliedern eines Geheim- bundes betrieben werden, die eine wahre Schreckensherrschaft ausüben. Die Gegner der Bestrebungen des Bundes, der auch politisch auftritt, werden durch Gift beseitigt, so daß das ganze Volk in beständiger Furcht schwebt. Daneben herrscht, dem Negercharakter entsprechend, das entgegengesetzte Extrem: der ausgelassenste Leichtsinn, aus allen Negerdörfern erschallt in der Nacht der Lärm der Tanzenden.
Obige Zustände fand der Missionar Saker, als er im Jahre 1850 nach achtjähriger Arbeit auf Fernando Po die erste christliche Missionsstation am Kamerun gründete.
Nur selten hat ein Missionar unter so vielen Schwierigkeiten
Grund emann. Das Kamerungebiet und die Mission daselbst. Allg. Miss.-Zeitschr., 1885.