440
Dr. A. Plehn.
Organen mit fievre grave de Carrion zu fürchten sein soll, erwähnte ich schon. Als ebenso bedenklich wird rasches allgemeines Abheilen der Hautaffektion betrachtet, falls der Allgemeinzustand sich nicht gleichzeitig dementsprechend bessert, denn das läßt auf Neubildungen in den inneren Organen schließen. Am besten sind die Aussichten, wenn die Hautaffektion sich rasch über den ganzen Körper verbreitet und ganz allmählich zurückgeht.
Die Behandlung kann rationellerweise nur eine s y m p t o m a t i s c h e sein, so lange wir den Krankheitserreger nicht kennen und über das eigentliche Wesen des Leidens nichts Bestimmtes wissen. Ein Spezifikum gegen die Verruga kennen wir jedenfalls noch nicht.
Der Kranke ist also in tunlichst hygienische Verhältnisse event. in ein Krankenhaus zu bringen und für Körperpflege und kräftige Ernährung ist zu sorgen. Die Anämie wird man durch hypodermatische Arseninjektionen und kleine Chiningaben (jeden zweiten Tag 1 2 g) bekämpfen. Stark blutende kleinere Tumoren ver- schorft man mit dem Papuelin oder tupft sie mit Eisenchlorid ab, da jeder Blutverlust mit Rücksicht auf die primäre Anämie besonders sorgfältig zu vermeiden ist. Größere Geschwülste werden mit Schere und Messer abgetragen und die blutende Basis verschorft. Sind sie gestielt, so kann man sie auch mit einer Ligatur umschnüren und warten, bis sie spontan abfallen. Die Beseitigung der Wucherungen ist unter allen Umständen geboten, sobald ihre Oberfläche ulceriert ist und damit einer bakteriellen Sekundärinfektion die Pforten geöffnet sind. Vorher mag man durch zweckmäßige Schutzverbände der Blutung und Infektion vorzubeugen trachten. Zur Bekämpfung der Blutungen aus dem Bronchialbaum und aus dem Darmkanal kämen in erster Linie die modernen Mittel: Adrenalin zu 1—2 Milligramm als subkutane Einspritzung und Gelatine (20 proz., zu 30—40 g den Tag) in Betracht. Ereilich dürften diese wirksamen Stypfica in den peruanischen Anden schwierig zu beschaffen sein.
Um die Schmerzen und die Schlaflosigkeit zu lindern, wird man neben dem Morphium das Trional und Sulfonal (zu 1—2 g täglich) oder das Veronal (zu Ui — 1 2 g täglich) heranziehen, indem man sich erinnert, daß vor allen Dingen die Kräfte des Kranken erhalten werden müssen, und daß es dazu nötig ist, ein gewisses Wohlbefinden sowie auch Ruhe und womöglich Schlaf zu erzielen. Auf der anderen Seite darf man jedoch nicht vergessen, daß alle Narcotica auf schwer Anämische in einer nicht immer sicher vorauszusehenden Intensität wirken, und muß vorsichtig sein. Das sonst sehr empfehlenswerte Yeronal entfaltet kumulative Wirkung und wird deshalb am besten nur jeden zweiten Tag verabreicht. — Antipyrin, Chinopyrin, Salipyrin etc. sind zu vermeiden, da die Temperatur niemals eine an sich gefährliche Höhe erreicht und man die Rückwirkung dieser Mittel auf das durch die schwere Anämie geschädigte Herz zu scheuen hat.
Yor kühlen Bädern, auch in der Rekonvaleszenz, warnen die Ärzte in Peru.
Prophylaktisch wird Regulierung der Flußläufe in den Quebradas und Yermeiden von Erdarbeiten, besonders nach Überschwemmungen, empfohlen. Sollte unser Verdacht sich bestätigen, daß Insekten die Verrugakrankheit in ähnlicher Weise übertragen, wie die Anophelesmücken die Malaria, so käme für die Besucher und Bewohner der Krankheitsherde noch Netz schütz in Betracht. Obgleich nicht erwiesen ist, daß die viel beschuldigten Aguas de Verrugas Quelle der Infektion sind, so wird man doch besser tun, den Wassergenuß im Bereich der Seuchenherde so lange zu vermeiden, bis man den wirklichen Übertragungsmodus kennt, resp. man wird das Wasser dort nur abgekocht genießen.
Die Literatur findet sich in großer Vollständigkeit in der Monographie von Ernesto Odriozola : „La Maladie de Carrion ou la Verruga peruvienne“,