Die akuten Exantheme
Von
Dr. A. Plehn, Berlin. (Mit Tafel XVII—XVIII.)
Die „Verruga peruviana“.
„Verruga“ (Warze) wird in Peru ein infektiöses Allgemeinleiden benannt, welchem eigentümliche, papulöse Eftloreszenzen oder nuß- bis apfelgroße knotenförmige Geschwülste der Haut sein besonderes Gepräge verleihen. Die Krankheit verläuft zuweilen akut mit hohem Fieber; häufiger subakut oder chronisch in mehrfachen, durch freie Intervalle von einander getrennten Schüben. Früher wurde die Verruga mit derFrambüsia in Zusammenhang gebracht; sie hat mit diesem Hautübel aber höchstens eine gewisse äußere Ähnlichkeit.
Während die Seuche gegenwärtig auf bestimmte, eng begrenzte Gebiete beschränkt ist, scheint sie früher über ganz Peru verbreitet gewesen zu sein und eine entsprechend größere Bedeutung gehabt zu haben. Die ersten Nachrichten darüber stammen aus der Zeit der Eroberung Perus durch die Spanier. Zaiiate, Schatzmeister von Lima, berichtet in seiner Geschichte dieser Eroberung 1543 über ein Leiden „fast so verderblich, wie die Pest“, das ungezwungen mit der Verruga identifiziert werden kann. Auch Franz Pizakro verlor den vierten Teil seiner 700 Mann an einer Seuche, welche als Verruga aufgefaßt wird. Seitdem verstummten die Nachrichten darüber, bis in der Mitte des vorigen Jahrhunderts verschiedene Autoren die Krankheit wiederum erwähnen . l ) Zu dieser Zeit kam sie nur noch in gewissen Teilen bestimmter, von steilen Felswänden eingeschlossener, im Grunde furchtbarer, dichtbebauter Flußtäler des Westabhanges der peruanischen Anden, (der „Quebradas), und zwar zwischen dem 8. und 13.° N. B. in einer Höhe von 400—3350 m endemisch vor und fehlte schon in deren nächster Umgebung. Nur ausnahmsweise gelangten infizierte Personen nach anderen Gegenden, ohne daß die Seuche hier jedoch Boden gewonnen hätte. Nach Mitteilungen aus dem Ende vorigen Jahrhunderts soll die Verruga auch in manchen Gebieten von Ekuador, von B o 1 i v i a und von Nord- Chile angetroffen werden. Beaumano in will ihr sogar auf Reunion begegnet sein. Daß es sich bei einem Hautleiden in- Rio Grande do Sul (Brasilien) trotz der gegenteiligen Meinung Terka’s um
0 Vgl. A. Hirsch. Hist, geogr. Patbol. Stuttgart 1883.