Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
438
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I)r. A. Plehn.

obgleich man es behaupten hört und Odriozoea einen Teil der allgemeinen Be­schwerden darauf zurückführt. Über Herdsymptome finden wir jedenfalls nichts mitgeteilt. Hie oft so hochgradige Schwellung von Leber und Milz braucht mindestens nicht immer durch Knotenentwicklung bewirkt zu werden, und die 1) r il s e n s c h well u n g e n ebensowenig. Sie dürften meistens vielmehr als Ausdruck der Allgemeininfektion zu betrachten und mit den entsprechenden Erscheinungen bei anderen Infektionskrankheiten in Parallele zu stellen sein.

Die Tumoren selbst gehen überall vom Bindegewebe, und zwar vom peri­vaskulären Bindege weite aus. In der Haut gestaltet ihre Entwicklung sich folgendermaßen: Unter dem Rete Malpighi entsteht eine kleine Hämorrhagie, ein Petechial fleck; die Epidermis darüber erhebt sich und verwandelt sich in ein röt­liches Knöpfchen mit glänzender Oberfläche, das allmählich an Grüße zunimmt.

ln anderen Fällen bildet sich zunächst ein Roseolafleck, auf welchem sich ein kleines, oft mit einer Delle versehenes Bläschen erhebt, das einer jüngsten Blattern­pustel gleicht. Wenn die Epidermis stark an der Proliferation beteiligt ist, so sehen die ersten Anfänge einem Hautwärzchen ähnlich. Dieser papillomatöse Charakter kann dauernd bewahrt bleiben (Variete cor nee). Meist aber werden die Epi- dermisschichten durch das im Unterhautbindegewebe emporwachsende Knötchen rarefiziert; das umgebende Gewebe entzündet sich und die Epidermisdecke wird durchbrochen. Die zutagetretenden kleinen Geschwülste erscheinen dunkelrot bis blaurot durch ihren Blutreichtum; die größeren zeigen mehr blaßrote Farbe. Die papillomatösen, warzenartigen Gebilde sind dagegen gefäßarm. Sämtliche Ge­schwülste sitzen entweder mit breiter Basis auf oder sind gestielt. Der Durch­messer ihrer Basis kann bis zu 5 cm ihre Höhe 2 cm und mehr betragen. Die Haut in der nächsten Umgebung des Geschwulstgrundes ist graurot verfärbt und entzündet.

Pathologische Anatomie.

Bezüglich des feineren histologischen Baues besteht keine völlige Überein­stimmung zwischen den Autoren.

Rexaud behauptet, daß die Tumoren aus ,,embryonalen Bindegewebszellen bestünden, welche er mit Sarkomgewebe vergleicht, das ein cavernüses System wandloser Blutgefäße umschließt. Izquierdo folgt Renaud's Darstellung. Ver­ständlicher ist uns die Auffassung Letulles, der die Knoten als serös durch­tränkte, von Lymphocyten und Wanderzellen durchsetzte, wenige Fibrinfäden und spärliche Mastzellen enthaltende G rau u 1 at io n sge sch w ü 1 s te kennzeichnet. Ihr stark entwickeltes Blutgefäßnetz ist strotzend gefüllt, während die erweiterten Lymphbahnen mit lymphoiden Zellelementen wie vollgestopft erscheinen. Die fixen Bindegewebszellen des Gerüstes sind vielfach gequollen und vakuolisiert.

Die Rückbildung geschieht durch Verschollen nach Blutungen (offenbar infolge von Gefäßthrombose) oder durch trockene Mumifikation aus demselben Anlaß. Gangrän, Jauchung, Vereiterung sind selten und stets durch Sekundärinfektion bedingt. Zuweilen erhebt sich vom Grunde des abgestoßenen älteren ein neuer Verrugaknoten.

Über die histologischen Veränderungen der oft enorm vergrößerten Leber und Milz, der geschwollenen Mesenterialdrüsen und Dünndarmfollikel, sowie über den Bau der Verrugaknoten in den inneren Organen habe ich in der Literatur keine Angaben finden können.

Betrachten wir zusammenfassend nochmals die charakteristischen Eigen­tümlichkeiten der interessanten Krankheit, so sehen wir ein durch Berührung nicht übertragbares, aber infektiöses Leiden vor uns, das an bestimmte, engbegrenzte