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I)i’. Rudolf Pöcn.
Erfolge waren sehr unbestimmt. Aus der Epidemie in Oporto berichtet Calmette gute Resultate. Er empfiehlt frühzeitige Injektion, womöglich intravenös und in großen Mengen (20 ccm intravenös und nachfolgend zwei subkutane Injektionen von mindestens je 40 ccm, täglich zu wiederholen). Die Erfahrungen sind aber, um zu einem altschließenden Urteil zu gelangen, heute noch zu gering. Da jedoch, außer einer Urticaria und vorübergehenden Gelenksschwellungen, die bei manchen wohl nur als eine bloße Nebenwirkung des Pferdeserums auftreten, wirklich schädigende Wirkungen bei einer entsprechenden Behandlung des Serums nicht Vorkommen, und da die Serumimpfungen das einzige Mittel sind, von dem wir überhaupt einen Erfolg erhoffen können, so sind sie wohl überall, wo es möglich ist, anzuwenden.
Lustig stellte durch Behandlung von Pestkulturen mit l°'oiger Kalilauge einen Impfstoff und ein Heilserum für Pest her, von dem gute Erfolge berichtet werden (Chosky).
Beschreibung der Tafel XVI.
Fig. 1. Gefärbtes Trockenpräparat von dem Blute eines Pestkranken. Färbung mit alkalischem Methylenblau. Vergrößerung: Homogene Immersion 1 l l l2 Zeit!, Kompensations-Okular 6.
Das Präparat rührt von einem sehr akuten, in weniger als 48 Stunden tödlich verlaufenen Pestfalle her. Das Blut wurde kurz vor dem Tode entnommen und enthält verhältnismäßig sehr viel Pestbazillen. Sie hegen extracellulär, teils einzeln, teils als Diplo- bazillen. die typische bipolare Färbung ist an vielen sehr deutlich zu sehen.
Vgl. Abschnitt Blut, S. 422.
Fig. 2. Ausstrichpräparat aus dem Sputum einer primären Pestpneumonie.
Die Färbungsmethode und die Vergrößerung sind dieselben wie beim vorhergehenden Präparat.
Die Menge der Bazillen ist auffallend groß. Sie hegen extracellulär, teils einzeln, auch zu zweien, teils in „Ketten“. Die meisten sind länglich-oval, deutlich bipolar gefärbt, einige haben Ring- und Bläschenform; rechts am Rande des Präparates, am Ende einer „Kette“ befindet sich eine große, unregelmäßige Form.
Vgl. Abschnitt Sputum, S. 418.
Literaturverzeichnis.
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1901 Derselbe, Was wußten unsere Vorfahren von der Empfänglichkeit der Ratten und
Mäuse für die Beulenpest des Menschen? Zeitschr, f. Hygiene. 36. Bd. S. 89—119. 1897 Albrecht, H. und Gnox, A., Uber die Beulenpest in Bombay im Jahre 1897. 66. Band der Denkschriften der mathem.-naturwiss. Klasse der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. — II B. Pathologisch-anatomische Untersuchungen. Wien 1898. — II C. Bakteriologische Untersuchungen. Wien 1900.
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rats am 3. Juli 1902. Berlin.
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1899 Belehrung über die Pest (vom Kaiserl. Gesundheitsamte). Sonderabdruck aus der Berl. klin. "VVochenschr. 25. Dez. S. 1145.