Mittelmeer- oder Malta-Fieber.
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und Chinin (in England und den Kolonien unter dem Namen Burnev Yeo’s Mixture bekannt) die Welle eines Anfalls abzukürzen. Vielleicht wirkt das Mittel direkt keimtötend oder durch Steigerung der Azidität der Verdauungssäfte. Der Nutzen von Alkalien, Karbolsäure, Salol usw. ist zweifelhaft, Chinin allein ist nutzlos. Im späteren Stadium, wenn die Temperaturkurve ein sägeförmiges Aussehen annimmt, kann eine kleine Dosis Autipyrin, mittags gegeben, günstig wirken.
Gegen die Gelenkschmerzen wird Chininum salicylicum empfohlen. Vielleicht wäre mit Aspirin eine wohltuende Wirkung zu erzielen. Die Gelenke selbst werden warm eingewickelt, auch Einpinselungen mit Linimenten, welchen verschiedene Medikamente (Opium, Akonit, Belladonna, Kampfer) zugesetzt werden können, sind angezeigt. Massage verspricht Erfolg nach Ablauf der akuten entzündlichen Erscheinungen.
Bei ausgesprochener Anämie wird Eisen in Verbindung mit Arsenik oder Strychnin angewandt, auch Knochenmarkextrakt soll von Nutzen sein.
Gute Pflege ist von größter Bedeutung. Die Kranken sind infolge der äußerst heftigen Schmerzen oft völlig hilflos. Während der starken Schweißausbrüche muß für gute Bedeckung und häufigen Wechsel der Wäsche Sorge getragen werden.
Als Nahrung dürfen den Kranken während des akuten Stadiums nur Milch, Fleischsaft, Ei mit Wein oder Kognak u. dgl. gereicht werden. Der brennende Durst wird durch eisgekühltes Sodawasser u. dgl. gelöscht. Bei stark belegter Zunge erweisen sich einige Tropfen Schwefelsäure in Wasser als wohltuend.
Feste Speisen dürfen nicht gegeben werden, solange das Fieber hoch, der Puls beschleunigt und die Zunge belegt bleibt, sondern erst in den späteren Phasen der Krankheit, wenn die Assimilation des Genossenen trotz bedeutender Temperaturschwankungen gut ist. Zu frühe Rückkehr zur vollen Ernährung begünstigt die Entstehung von Rückfällen.
Stirnulantien sind in der ersten Zeit der Erkrankung kaum erforderlich. Am besten werden sie für später aufgespart, wenn das Fieber andauernd hoch ist, um den Kranken über die gefährliche Periode hinwegzuhelfen, wo die Herztätigkeit zu erlahmen droht. In dem späteren chronischen Stadium dagegen darf man dieselben frühzeitig verabreichen.
Für die chronische Neuritis des Ischiadicus usw. können starke Linimente, Zugpflaster, Akupunktur, Salzbäder oder elektrische Behandlung mit Strömen von hoher Frequenz zur Anwendung kommen. Leider wiederstehen diese Affektionen oft lange der Behandlung.
Wenn die Genesung eingetreten ist, so darf zuerst nur sehr mäßige körperliche Bewegung gestattet werden, Ermündung und plötzlicher Temperaturwechsel ist zu vermeiden, Klimawechsel ist fast immer notwendig. Sobald es ihr Zustand gestattet, sollten die Kranken den endemischen Herd des Mittelmeerfiebers verlassen. Rückkehr dorthin ist nicht vor einem bis zwei Jahren nach der Heilung gestattet, auf keinen Fall aber früher, als die Blutuntersuchung wieder einen normalen Befund ergibt.
Literatur.
1898 Aldridge, A. R.. Serum reactions and treatment by Antitoxic plasma. Lancet, May. 1902 Bassett-Smith, P. W., Agglutinating properties and other blood changes etc. Brit.
Med. Journal. Sept. Research work on the Health of the Navy. Rep. 1901. 1902/3 Derselbe, Etiology of Med. fever. Health of the navy.
1904 Derselbe, Med. fever from a Naval standpoint. Brit. Med. Jour. Aug.