360
Dr. P. W. Bassett-Smith.
Salicyl-Präparate versagen. Das Felilen der wie Erbsensuppe aussehenden Stühle, das rosafarbige Exanthem, die Empfindlichkeit des Unterleibs und das häufige Vorkommen hartnäckiger Verstopfung und reichlicher Schweiße erleichtern auch in der ersten Zeit der Erkrankung die Unterscheidung von Typhus, obwohl in vielen Fällen eine Zeitlang die Diagnose nicht mit Sicherheit gestellt werden kann. Manche anfangs als Typhus diagnostizierte Fälle verlaufen später in der langgestreckten Kurve des Mittelmeerfiebers. Allerdings ist es auch nicht ausgeschlossen, daß sich letzteres unmittelbar an erstere Krankheit anschließt.
Die großen Tagesschwankungen der Körpertemperatur sind für Mittelmeerfieber charakteristisch, ebenso in vielen Fällen das Bestehen prolongierten Fiebers mit unbedeutenden subjektiven Erscheinungen, sowie der verhältnismäßig unbedeutende Kräfteverlust, welcher nur der hydrämischen Blutbesehaffenheit entspricht.
Das zuverlässigste diagnostische Hilfsmittel, welches allgemein zur Anwendung kommt, ist die Agglutination, welche bei Bell a n d 1 u n g v o n Kulturen des M i c r o c o c e u s M e 1 i t. e n s i s in i t v e r d ii nute m Blutserum von M a 11 a f i e b e r k r a n k e n e n t s t e h t.
Mikroskopisch kann diese wie bei der AATiial sehen Reaktion, makroskopisch durch die Sedimentierungsmethode von AATugtii beobachtet werden. Das letztere Verfahren verdient entschieden den Vorzug.
Die Reaktion kann mit toten wie lebenden Kulturen vollkommen erhalten werden. Das Verfahren bei Serumdiagnostik ist unten näher beschrieben. Schon am fünften Krankheitstage ist dieselbe erhältlich und selbst 18 Monate nach der Genesung hat Verfasser sie in einigen Fällen noch erzielen können, ln der Mehrzahl der Fälle verschwindet die Reaktion jedoch viel früher.
Es ist möglich, daß viele der in tropischen und subtropischen Gegenden verkommenden Fieberformen auf den Erreger des Mittelmeer- oder Maltafiebers zurückzuführen sind, besonders das von Manson beschriebene in China beobachtete doppelte kontinuierliche Fieber (double continued fever).
Bextley hält die als Ivala-Azar in Indien bekannte Krankheit für eine bösartige Form des Mittelmeerfiebers. Die hohe Sterblichkeit jedoch, die tiefgehenden Veränderungen in den Bauchorganen und der ausgeprägte epidemische Charakter bilden einen großen Unterschied zwischen beiden Affektionen, so daß zur Begründung der Annahme Bentley's noch schwerwiegende Beweise erbracht werden müßten, wenn diese nicht schon durch die Entdeckung der mit hoher AVahrschein- lichkeit als pathogen auzusehenden Protozoen durch Leisiimax widerlegt wäre.
S e r u m d i a g n o s t i k des M a 11 a f i e b e r s.
Erforderlich sind:
1. Ein Röhrchen mit toter Emulsion von einer eine AVoche alten Agar-Kultur von Alierococcus Melitensis, aus einem Laboratorium geliefert, oder wenn man im Laboratorium arbeitet, ein Röhrchen mit lebender Emulsion.
2. Ein Röhrchen mit dem verdächtigen Blut.
3. Ein Röhrchen mit normalem Blut.
4. Uhrgläser, Platinöse, graduierte Meßpipette.
Technik. A T on dem klaren Serum in dem Röhrchen mit Blut nimmt man 1 Teil und mischt es mit 19 Teilen physiologischer Kochsalzlösung entweder mittelst der Platinöse oder graduierten Mischpipette. Letztere füllt man bis Strich 1 mit Blutserum, füllt dann bis 5 mit Kochsalzlösung, so verfährt man viermal, indem man etwas Luft zutreten läßt, gründlich mischt und die Mischung in ein Uhrglas entleert. So erhält man Serum in einer A’erdünnung von 1 : 20.