Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
349
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Mittelmeer- oder Malta-Fieber.

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Pathologische Anatomie.

In den zur Obduktion gelangenden Leichen sind, wenn man von den Folgen des Fiebers absieht, nur sehr unbedeutende Veränderungen nachweisbar. Die PEYERschen Plaques zeigen keinerlei Ulzeration, nur entzündliche Herde werden häufig, besonders im Dickdarm, gefunden. Das Vorkommen der von Marston zuerst beschriebenen liyperämischen Plaques der Magenschleimhaut kann nicht als regelmäßiger Befund angesehen werden.

Die Milz ist hyperämisch, geschwollen und erweicht und zeigt auf dem Durch­schnitt zahlreiche zerstreute Mikrokokkenhaufen. Die MALPiGHischen Körperchen er­scheinen vergrößert. Das Gewicht des Organs schwankte bei den von Hughes be­obachteten Fällen zwischen 330 und 630 g. In einem vom Verfasser beobachteten tödlich verlaufenden Falle war die Milz außergewöhnlich groß und weich und wog 1200 g.

Leber und Nieren sind sehr blutreich und geschwollen.

Die Lungen zeigen Erscheinungen von Bronchialkatarrh, Ödem oder Pneu­monie. In sehr chronischen Fällen besteht eine allgemeine Atrophie.

Die Komplikationen bestehen in Bronchitis, Pneumonie, Pleuritis und Orchitis. In einigen Fällen sah Verfasser während schwerer Rückfälle ohne eine andere erkennbare Ursache akute Nephritis auftreten.

Kranke mit Mittelmeerfieber scheinen sehr empfänglich für Tonsillitis zu sein, welche sich in den Abteilungen der Hospitäler rasch unter ihnen verbreitet, es ist ferner anzunehmen, daß sie tuberkulöser Infektion leicht unterliegen. Die lähmenden Neuritiden sind mehr eine Phase der Krankheit als eine Komplikation.

Ätiologie und Vorkommen.

Epidemiologie.

Lange Zeit wurde das Mittelmeerfieber wie der Typhus nur als eine Krank­heit der Unreinlichkeit angesehen oder als ein Mittelding zwischen Typhus und Malaria. Das massenhafte Auftreten auf der Insel Malta wurde erklärt durch die Anhäufung von Abfallstoffen in einen von Ebbe und Flut kaum durchspülten Hafen und durch die Einsickerung der infizierten Abwässer in das poröse Gestein, aus welchem sich die Insel aufbaut. Hughes stellte dann in seiner wichtigen Mono­graphie die Ansicht auf,daß das Fieber in der Mehrzahl der Fälle durch einen spezifischen Krankheitserreger hervorgerufen werde, welcher bei heißer und trockener Witterung seine bisherige saprophytische Lebensweise in dem durch Fäkalien usw. verunreinigten Boden aufgebe und in den menschlichen Körper eindringeN Nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse ist diese Auffassung höchstwahrscheinlich richtig, verdient jedoch durch die neuesten Ergebnisse bakteriologischer Forschung dahin erweitert zu werden, daß die Infektionskeime auch durch den Urin ausge- scliieden und auch durch den Staub weithin verbreitet werden können. Wie Ver­fasser nachgewiesen hat, bewahrt derselbe seine Lebensfähigkeit auch bei Aus­trocknung längere Zeit und wir wissen, daß die Ansteckung durch den Staub bei Laboratoriumsarbeit nichts Seltenes ist. Infektiöser Stanb kann durch die Atmungs­wege aufgenommen, die Krankheit hervorrufen, besonders wenn Luftröhrenkatarrh besteht, oder auch durch kleine Kratzwunden und Haut Verletzungen in den Körper eindringen. Wir wissen jetzt ferner, daß der Mikroorganismus in Milch gutes Wachstum zeigt und bei Verunreinigung der Milch durch Staub leicht mit diesem Nahrungsmittel in den Körper gelangt.

Die Krankheit selbst ist unmittelbar nicht ansteckender als Typhus. Ohne die Infektion weiter zu verbreiten, wie wir wenigstens annehmen, werden gewöhn-