Cholera asiatica.
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Somnolenz mit oder ohne Fieber vorhanden ist, verlaufen allerdings häufig günstig. Vielfach unter dem Ausbruch eines mehr oder minder über den Körper ausgedehnten Exanthems kehrt nach einigen Tagen die normale Psyche zurück, und nun läßt die vollständige Genesung kaum lange auf sich warten. In anderen schwereren Fällen erfolgt die Genesung nach längerer Zeit, und so finden sich alle Übergänge bis zu den schwersten Formen, welche meist plötzlich unter den Erscheinungen einer Lähmung desHerzens oder der Atmung zum Tode führen.
Man wird auch in solchen Fällen durch Anwendung warmer oder auch heifser Bäder (bis zu 35°) oder Senfbäder und nachfolgendes Einpacken in wollene Decken oder durch Schwitzbäder im Bett eine Ableitung auf die Haut zu erzielen und durch reichliches Trinken von Milch und Wasser zu befördern suchen, indessen ist die Prognose in den schweren Fällen meist eine ungünstige.
Gelegentlich ist es auch in diesem Stadium versucht worden, Aderlässe zu machen oder diese mit nachfolgenden intravenösen Infusionen physiologischer Kochsalzlösung zu kombinieren, um eine Verdünnung der im Kreislauf befindlichen toxischen Substanzen zu erzielen, deren Ausscheidung zu befördern bezw. einen Teil derselben direkt zu eliminieren. Indessen entsprach das Resultat nicht den gehegten Erwartungen.
Bei einem Fall von Koma nach Cholera nostras hat Rumpel versucht, durch die Schlundsonde größere Mengen alkalischer Flüssigkeit in den Magen einzuführen, um durch Anregung der Diurese eine raschere Entgiftung des Körpers herbeizuführen. Gegen einen derartigen Versuch würde sich auch bei Cholera indica kaum etwas einwenden lassen.
Vereinzelt ist es auch erstrebt worden, durch Kali aceticum, Diuretin und Digitalis eine stärkere Urinausscheidung und damit eine Entgiftung des Körpers zu erzwingen. Indessen entbehrt dieses Vorgehen insofern der eingehenden Begründung, als häufig im Koma eine reichliche Urinausscheidung vorhanden ist oder trotz reichlichster Urinausscheidung Koma auftritt. Es darf deshalb nicht überraschend erscheinen, wenn die Darreichung von Diureticis nutzlos blieb. Ich möchte deshalb ebenso wie von Ziemssen vor deren Anwendung warnen.
Da das Gift, welches das Stadium comatosum verursacht, völlig unbekannt ist, so läßt sich einstweilen kaum daran denken, daß eine Bindung oder Zerstörung desselben innerhalb des Körpers möglich ist. Versuche mit dem KLEBs’schen Anti- cholerin sind in diesem Stadium jedenfalls erfolglos geblieben. Ob es auf Grund experimenteller pharmakologischer Studien gelingen wird, Substanzen zu finden, welche als Gegengifte wirken, muß die Zukunft lehren. In jüngster Zeit hatten wir übrigens Gelegenheit, auf der Abteilung einen Fall von schwerer Quecksilbervergiftung zu sehen, bei welchem ein typisches Stadium comatosum mit einem dem Choleraexanthem gleichen Hautausschlag auftrat. Der mit Albuminurie einher- geliende Fall endete günstig. Man wird nach dieser Erfahrung die Ursache des Stadium comatosum zum Teil in der schweren Nierenschädigung suchen müssen.
e) Die Behandlung der Komplikationen und der Nachkrankheiten.
Unter den Komplikationen der Cholera kommen die verschiedensten akuten und chronischen Infektionskrankheiten in Betracht. Von akuten Infektionskrankheiten wurde verhältnismäßig häufig Pneumonie und Typhus neben Cholera beobachtet. Für die Behandlung der Pneumonie kommen naturgemäß dieselben Indikationen in Betracht, wie sie auch bei der unkomplizierten Pneumonie vorhanden sind. Nur tritt die excitierende Behandlung infolge der schon nach Cholera vorhandenen Herzschwäche hier noch mehr in ihre Rechte als bei der genuinen Pneumonie.
Von besonderem Interesse ist das Zusammenvorkommen von Typhus und Cholera. Fällt die Akme beider Erkrankungen zusammen, so ist die Prognose ungünstig. Anders stellen sicli jene Fälle, bei welchen der Typhus erst nach dem