Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Cholera asiatica.

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bracht, durch subkutane Injektionen von Cholerakulturen eine individuelle Prophylaxe zu erzielen ; da durch diese Inokulationen eine starke Bildung von Choleraantikörpern im Blute angeregt wird, so läßt sich theoretisch nichts dagegen einwenden. Es sind nun in den letzten Jahren an 60000 Personen nach Haffkixe behandelt worden, und die Resultate dieser Behandlung sind nicht unerfreulich. Jedenfalls war die Sterblichkeit der geimpften sehr gering. So wurden in einem Gefängnis 202 Personen geimpft, 207 nicht geimpft. Die Nichtgeimpften hatten 9,9 % Er­krankungen und 4,95 % Todesfälle, die Geimpften 3,39 % Erkrankungen und 2,41 % Todesfälle. Simpson glaubt, daß die Mortalität sich um 72 % vermindert habe. Weitere Versuche müssen lehren, ob die Methode sich dauernd bewährt. Sie könnte dann in dem endemischen Gebiet der Cholera viel leisten. Doch scheint der Schutz nach Jahresfrist zu schwinden.

Die Behandlung der Cholera.

Erfreulicherweise ist die Zeit vorüber, in welcher in der Behandlung der Cholera therapeutische Spekulationen von Ärzten und Laien eine hervorragende Rolle gespielt haben. Vor allem war es die Jagd nach spezifischen Heilmitteln, welche das Feld beherrschte. Gewiß ist die Möglichkeit, spezifische Heilmittel gegen Cholera zu erhalten, nicht ausgeschlossen. Vor allem dürfen wir von der modernen Bakteriologie Fortschritte in dieser Hinsicht erwarten, welche uns schon ein von Kitasato hergestelltes anscheinend wirksames Choleraantitoxin geschenkt hat. Ob die neuerdings von Charitonoff empfohlene Behandlung mit innerlicher Darreichung einer heißen Kali liypermanganicum - Lösung von schwach violetter Farbe mein* Erfolge haben wird als Chlorwasser und ähnliche Medikamente, muß die Zukunft lehren.

a) Die Behandlung der Cholerainfektion ohne wesentliche K r a n k h e i t s s y m p t o m e.

Die Behandlung der Cholerainfektion ohne wesentliche Krankheitssymptome wird nur selten an den Arzt herantreten. In der Regel wird dieser Befund durch einen Zufall erhoben. Indessen sprechen manche Erfahrungen dafür, daß diese Form nicht allzu selten ist, und wesentlich von diesem Gesichtspunkte aus sind alle jene allgemein-hygienischen Maßnahmen zu betrachten, welche als individuelle Prophylaxe schon zuvor besprochen sind.

b) Die Behandlung der Choleradiarrhöe.

Jeder anCholeradiarrhöe Leidende oder jeder Patient, bei welchem der Verdacht einer solchen besteht, bedarf der Bettruhe und Bettwärme. Häufig geht bei diesem Verfahren das Leiden in Heilung über, ehe die bakteriolo­gische Diagnose gestellt werden kann. Diese Heilung dokumentiert sich dadurch, daß die seltener werdenden Stühle wieder eine fäkulente Beschaffenheit annehmen. In dem oder den ersten von diesen finden sich vielleicht noch Choleravibrionen, aber auf die Dauer erliegen diese der Einwirkung der normalen Darmfäuluis. So erfolgt die restitutio ad integrum, ohne daß ein medikamentöser Eingriff stattge­funden hat.

Wie häufig diese Spontanheilung ist und wie häufig die Choleravibrionen den Darm passieren, ohne zu wesentlichen Krankheitssymptomen zu führen, läßt sich allerdings nicht sagen, da derartige Fälle nur ausnahmsweise dem Krankenhause zugeführt oder bakteriologisch untersucht werden. Indessen geben die eingehenden