Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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340
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Dr. Paul Krause und Dr. Th. Rumpe.

Die von Gärtner und Beck empfohlene Infusion einer wesentlich stärkeren Kochsalzlösung hat vor der gewöhnlichen keine Vorzüge.

Neben der intravenösen Infusion ist insbesondere durch Cantani die sub­kutane in die Choleratherapie eingeführt worden, nachdem schon 1883 Michael und ferner Samuel auf experimentelle Untersuchungen und therapeutische Er­wägungen gestützt, dieselbe empfohlen hatten. Cantani bediente sich einer Lösuug, welche im Liter 4,0 g Natrium chlorat. und 3,0 g Natrium carbon. enthielt. Von dieser Lösung werden 1l 1 !» 1 in einer Temperatur von etwa 40° C an zwei oder drei Stellen in die beiderseitigen Ileocostalgegenden oder in die Bauchwand in­fundiert.

Cantani gibt der subkutanen Infusion aus vielerlei Gründen den Vorzug vor der intravenösen. Neben den Gefahren der intravenösen Infusion (die übrigens im Krankenhaus kaum noch vorhanden sind) betont er, daß die langsamere Mischung des Blutes mit der Kochsalzlösung auch eine dauerndere Wirkung im Gefolge habe. Indessen kann nur eine vergleichende Untersuchung hier entscheiden, und diese ist aus einem Grunde außerordentlich schwer, weil die einzelnen Epidemien ebenso wie die Fälle der verschiedenen Krankenhäuser in ihrer Schwere nicht völlig- gleich sind, und weiterhin, weil die subkutane Infusion infolge der leichteren Anwendung vielfach in minder schweren Fällen gemacht wird als die intra­venöse. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb Hager nach Untersuchungen aus der Abteilung von Dr. J< »lasse im Alten Allgemeinen Krankenhause dazu kommt, der subkutanen Infusion vor der intravenösen den Vorzug zu geben.

Immerhin ist das ITozentverhältnis der definitiv Geheilten bei der in­travenösen Infusion nicht so groß, daß ein wesentlicher Vorzug vor der subkutanen daraus geschlossen werden kann. Erstere dürfte also höchstens dort in Frage kommen, wo nur durch eine rasche und m o m e u t a n e Wiederherstellung der Zirkulation Hoffnung auf Erhaltung des Lebens vorhanden ist. In allen übrigen Fällen dürfte die subkutane Infusion an die Stelle der intravenösen treten können.

Die vorgeschlagene Einführung der Flüssigkeit in die Bauchhöhle, Pleurahöhle oder Harnblase gehört in das Kapitel der therapeutischen Mißgeburten.

Daß während des ganzen Verlaufes mittelschwerer oder schwerer Fälle von Cholera, auch ohne daß sich bereits ein Versagen der Herztätigkeit eingestellt hat, die wiederholte subkutane Einführung von Kampferöl sich empfiehlt, braucht nicht besonders betont zu werden; vor Ä t h e r ist eher zu w amen, da die elastizitäts- und turgoranne Haut dieser Kranken mehr noch als normal zur Nekrose zu neigen scheint.

Ist auf diese Weise und durch eine oder wiederholte Infusionen ein Über­stehen des Stadium algidum erreicht, dann kommen alle die schon eben skizzierten Methoden zur Entfernung der Toxine aus dem Körper wieder in Betracht. Insbe­sondere empfiehlt es sich, die Patienten unter Zufuhr reichlicher Getränke schwitzen ; zu lassen. Häufig erfolgt dann noch unter dem Ausbruch eines Choleraexan- ; t h e m s die Genesung.

Ebenso häufig erfolgt indessen der Ü b e r g a n g in das Bild der chronische n j; Intoxikation. Es entwickelt sich bald langsam, bald akut, hier und da unter [ Fieber, häufiger bei subnormaler Temperatur das Stadium comatosum (chronische Cholera, Choieratyphoid).

d) Behandlung des Stadium comatosum (chronische Cholera).

Die Behandlung des ausgebildeten Stadium comatosum oder der chronischen Cholera (auch Choleratyphoid genannt) muß bisher als eine wenig erfreuliche bezeichnet werden. Leichtere Fälle, bei welchen nur eine geringe