334
Dr. Paul K kause und I)r. Tu. Kumpf.
der Cholerabehandluug überhaupt liegt. Deshalb empfiehlt es sich auch für den Arzt, wie das von Ziemsskn so richtig betont, in einer Choleraepidemie alle Gegenstände zur gerbsauren Enteroklyse stets bei sich zu führen, um nicht durch Holenlassen aus der Apotheke und vom Instrumentenmacher unnötig Zeit zu verlieren. Allerdings läßt es sich auch mit Cantani’s gerbsaurer Enteroklyse nicht vermeiden, daß Fälle von Choleradiarrhöe in das Stadium algidum oder den schweren Cholerafall übergehen.
Eine besondere Aufmerksamkeit erfordert bei der Choleradiarrhöe die Ernährung der Kranken, besonders in der Richtung, daß Schädlichkeiten nach Möglichkeit vermieden werden. Demgemäß wird die Diät im allgemeinen die gleiche sein müssen wie bei allen Prozessen, welche mit Läsionen der Darmwand und der Anhäufung schädlicher Spaltpilze und ihrer Gifte im Darmkanal einhergehen.
Zum Frühstück empfiehlt sich vor allem Milch, wenig Tee mit Sahne, zum Mittagessen und Abendessen Haferschleim-, Arrowroot- oder Sagosuppe mit Rotwein. Ist der Appetit stärker, so kann mittags zartes, gebratenes Fleisch mit Kartoffelbrei oder Reisbrei gegeben werden, vielleicht auch Kalbs- oder Hühnerragout. Von Brot ist nur weiches oder eingeweichtes Weißbrot zu empfehlen. Als Getränk empfiehlt sich Rotwein mit Wasser oder potio hydroehlorica. Rotwein in konzentrierter Form ist im allgemeinen ebensowenig zu empfehlen als andere alkoholische Getränke in in größerer Menge. Dieselben scheinen die Widerstandsfähigkeit des Organismus herabzusetzen.
Für Kinder empfiehlt sich als Getränk Wasser oder Milch, in welcher das Eiweiß von mehreren Eiern verrührt ist.
c) Die Behandlung der ausgesprochenen Cholera.
Die Behandlung der ausgesprochenen Cholera oder des Stadium algidum derselben begegnet weit größeren Schwierigkeiten als diejenige der Choleradiarrhöe In vielen Fällen, welche bisher nicht behandelt waren, sind die Ursache der Cholera, die Choleravibrionen, noch reichlich in dem Darmkanal vorhanden. Trotzdem die reiswasserartigen Entleerungen fortdauern (Fälle von Cholera sicca mit Fehlen der Ausleerungen sind wenigstens nicht die Regel), findet doch keine völlige Entfernung des Giftes statt. Unter der fortdauernden Transsudation in den Darmkanal finden die Kommabazillen einen günstigen Boden für ihre Weiterentwicklung, während die anderen Bakterienarten oft völlig zurücktreten. Eine reichliche R e s o r p t i o n des gebildeten Choleragiftes findet aus dem Darm oder aus den in die Darm wand eingewanderten Bazillen statt, toxische Erscheinungen treten in den Vordergrund, und unter diesen eine, welche der Behandlung besondere Schwierigkeiten darbietet, das Erbrechen. Diese Komplikation macht es einmal unmöglich, Arzneimittel per os zuzuführen und außerdem den häufig intensiven Durst der Kranken zu stillen. In einzelnen Fällen werden kleine Eisstückchen vertragen, in anderen empfiehlt es sich, mit Narcoticis eine Beruhigung des Patienten hervorzurufen. Eine Spritze Morphium (0,005 und mehr) ist in solchen Fällen warm zu empfehlen. Sie lindert die Krämpfe und das Erbrechen und, was mindestens ebenso wichtig ist, die Aufregung und die subjektiven Beschwerden. Von dem gleichen Gesichtspunkte aus, kann auch die subkutane Injektion von Extract. Opii aipios. liq. (vgl. S. 331) in Anwendung gezogen werden.
Die Berechtigung, das Erbrechen zu vermindern oder zu sistieren, kann allerdings bestritten werden, nachdem Alt in einer Arbeit aus der Elinik von Hitzig nachgewiesen hat, daß Gifte durch den Magen zur Ausscheidung aus dem Körper gelangen können, und somit der Gedanke nicht zurückgewiesen werden darf, daß auch bei der Cholera eine Ausscheidung des Giftes durch den Magen erfolge. Alt glaubt auch eine derartige