Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
317
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Cholera asiatica.

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Anderweitige Störungen.

An Cornea und Conjunctiva treten in einzelnen Fällen nekrotische Pro­zesse in Gestalt von bräunlichen und schwärzlichen Herden auf, welche bei ein­tretender Rekonvalszenz abgestoßen werden.

(tiiiesingek beschreibt mumifizierenden Brand an den Fingern oder Fußzehen, "Wall berichtet über Gangrän des Skrotums und des Penis, Reiche über symmetrische Gangrän der Cutis an beiden Ohrränderu.

Über die auftretenden Metrorrhagien und Störungen im Verlaufe der Schwanger­schaft ist oben berichtet worden.

Komplikationen und Nachkrankheiten der Cholera.

Gleichzeitig mit dem Stadium algidum der Cholera wurde das Bestehen von croupösen Pneumonien, seltener von katarrhalischen Pneumonien oder Hypostasen und Ödem der Lungen beobachtet. Fieber ist meist in der charakteristischen Form nicht vorhanden, dagegen werden die übrigen physikalischen Symptome, wie durch Perkussion, Auskultation feststellbar, nicht nennenswert durch die bestehende Cholera beeinflußt.

ln einzelnen Fällen besteht neben der Cholera gleichzeitig ein Typhus abdo­minalis: Roseolen, Milztumor, Fieberkurve erfahren meist keine Veränderung. Das Aussehen der Kranken ist weniger fieberhaft, die Stühle sind reißwasserartig. In ein­zelnen Fällen kann das Fieber gleichfalls fehlen, auch die übrigen Typhussymptome so zurücktreten, daß die Krankheit erst bei der Obduktion entdeckt wird.

Die schweren diphtheritischen Erkrankungen des Darms lassen sich höchstens da diagnostizieren, wo Abgang von Blut und Eiter im Stuhl nachzu­weisen sind.

Bei diphtheritischen Entzündungen der Blase und des Uterus tritt Blut im Urin resp. in der Vagina auf. Blutungen aus den weiblichen Genital- apparaten treten auch im Gefolge der Cholera oder durch hämorrhagische In­farzierung der Uterusmuskulatur auf. Bei Graviden kommt es häufig zum Abort resp. zur Frühgeburt. Die Kinder werden meist totgeboren. Auch für die Mutter ist die Prognose keineswegs eine günstige.

Von seiten des Darms sind als Komplikationen zu erwähnen, daß trotz Besse­rung des allgemeinen Befindens häufige Diarrhöen bestehen bleiben, in anderen Fällen nach Verschwinden derselben sekundäre Katarrhe wieder auftreten, besonders bei Menschen, welche sich nach anscheinend erfolgter Besserung nicht genügend geschont haben. Die Stühle sind meist gallig gefärbt und fäkulent riechend; nur in einem Teil derselben wurden noch Kommabazillen nachgewiesen.

Von seiten der Nieren scheinen dauernde Störungen gewöhnlich nicht zurück­zubleiben.

Rumpf beobachtete in einzelnen Fällen in den Jahren nach der Hamburger Epidemie bei einer Anzahl Kranken neurasthenisclie Zustände, welche auf eine überstandene Choleraerkrankung zurückgeführt wurden.

Yerlauf, Dauer und Mortalität der Cholera.

Wie bei anderen Infektionskrankheiten, hat auch bei der Cholera jede einzelne Epidemie ihren besonderen Charakter; in der einen treten Erscheinungen von seiten des Mageudarmkanals, in anderen mehr die Symptome der Intoxikation in den Vordergrund. Die Dauer der Cholera ist eine kurze.