Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
311
Einzelbild herunterladen
 

Cholera asiatica.

311

Nieren von dem 2. bis 3. Tage von Beginn der Erkrankung sind meist makro­skopisch schon stark geschwollen und durch auffallenden Blutreichtum ausgezeichnet. Mikroskopisch findet man eine starke Füllung der Glomeruli und intratubulären Kapillaren, daneben eine stärkere Plasmolyse und zahlreiche hyaline oder grobkörnige Zylinder, welche sowohl die gewundenen Kanälchen, als auch die HENLEsehen Schleifen und einzelne gerade Harnkanälchen ausfiillen. Veränderungen anderen Charakters treten auch in späteren Stadien nicht auf.

Makroskopisch bietet allerdings in dieser Zeit die Choleraniere größere Mannig­faltigkeit: vom 2. bis 4. Tage ist meist der Farbenton der Ober- und Schnittfläche ein mehr rotgrauer oder gelblichroter, um in den nächsten Tagen eine fast rein gelbe Be­schaffenheit anzunehmen. Auf dem Durchschnitt sieht man diese Nuancen nur in der Rindensubstanz, während der Markkegel auch in den späteren Stadien dunkelrot ge­färbt bleibt.

Mit Ablauf der dritten Krankheitswoche ist die Regeneration der Nieren meistens eine mehr oder weniger vollkommene. Thrombenbildung, Infarkte, meta­statische Abszesse in den Nieren sind als zufällige Befunde anzusehen.

Die Blase ist meist kontrahiert, entweder völlig leer oder wenige Tropfen meist trüben Urin enthaltend, in welchem sich hyaline oder fein granulierte Zylinder nachweisen lassen. Vom dritten Krankheitstage an ist häufig mehr oder weniger reichlich klarer Urin' darin enthalten. Die Schleimhaut weist meist Hämorrhagien auf, in seltenen Fällen nekrotische Prozesse.

Der Uterus des bereits menstruierten Weibes weist mehr oder weniger umfangreiche Blutungen in das offene Lumen der Uterushöhle neben Infarzierungen in den oberflächlichen Schichten auf; mikroskopisch findet sich eine häufig tief­gehende Infarzierung der Uterusmucosa mit starker Erweiterung der Gefäße und Vorhandensein von zahlreichen Mastzellen.

Die Vagina weist in einzelnen Fällen diphtheritische oder ulzeröse Ver­änderungen auf.

Das Fett mark der Röhrenknochen Erwachsener wird fast immer in solches von Himbeerfarbe und Gelee-Konsistenz umgewandelt und weist ebenfalls Hämorrhagien auf.

Die Autopsie des Fötus bietet meist außer zahlreichen Hämorrhagien auf den serösen Häuten nichts Besonderes.

Auch in den Ovarien finden sich meist reichliche Hämorrhagien.

I nkubatio n.

Nach klinischen Erfahrungen dauert die Inkubationszeit der Cholera meist mehr als 24 Stunden.

Pettenkofer fand 2 1 25, in anderen Fällen 78 Tage. Demgegenüber muß aber hervorgehoben werden, daß in jeder Epidemie einzelne Menschen wenige Stunden nach einem stattgehabten Exzeß im Essen oder Trinken an Cholera er­krankten.

Pettenkofer erkrankte in seinem bekannten Selbstversuch 60 Stunden nach Einnahme von Cholerabazillen, während bei Emmerich, welcher die Einführung der Kommabazillen mit einem Diätfehler verband, nach 46 Stunden die ersten Durch­fälle auf traten.

Symptomatologie und Verlauf.

Die Cholera asiatica ist eine bald nur mit Durchfällen, bald mit gleichzeitigem Erbrechen beginnende Erkrankung, welche häufig zu dem Bilde einer schweren spezifischen Intoxikation und sehr häufig zum Tode führt. Zu ihrer sicheren