Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
308
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Dr. Pauu Krause und Dr. Tn. Rumpf.

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Epidemiologische s.

Griesinger spraeli schon vor Jahren die auch heute Geltung beanspruchenden Worte aus: Nie ist die Cholera bei ihrer großen Verbreitung gleich einem breiten, ganze Länder zugleich überziehenden Strome fortgeschritten, so daß ein solcher die Erkrankung aller parallel gelegener Orte bewirkt hätte, sondern stets in relativ schmalen Strichen, von denen aus meistens, doch nicht gerade immer sich seitliche Abweichungen bilden. In Ländern mit dünner Bevölkerung sieht man konstant, daß diese Striche den großen Yerkehrstraßen entsprechen; überschreitet die Krank­heit ein hohes Gebirge, durchzieht sie eine Wüste, setzt sie über den Ozean, immer geschieht dieses nur auf den Straßen des menschlichen A r erkehrs, den Post- und Militärstraßen, den AVegen der Karawanen, der Schiffe etc*.: bricht sie auf einer Insel aus, so ist dieses noch jedesmal in einer Hafenstadt, nie im Innern zuerst geschehen.

Es hat sich bisher auch immer bei genügender Gründlichkeit beweisen lassen, daß die Cholera außerhalb Indiens, wo sie endemisch vorkommt, nie autochthon aufgetreten ist: mit Hilfe der bakteriologischen Diagnostik ist der Nachweis in den meisten Fällen ein verhältnismäßig leichter.

Bei dem großen Seeverkehr kommt heute in erster Linie die Verschleppung der Cholera durch Schiffe in Betracht. Meist werden nach AVesteuropa Fälle von Suez aus verschleppt, welches infolge seiner Lage am Kanal und an der großen Pilgerstraße nach Mekka ein häutiger Choleraherd ist. wie ja überhaupt Ägypten verhältnismäßig häutig von der Seuche betroffen worden ist.

Eine andere Hauptstraße der Cholera ist stets der Landweg über Arabien,

Syrien und das asiatische und europäische Rußland gewesen.

Schon von den älteren Autoren wird das sprungweise Auftreten der -loh n Cholera hervorgehoben, welches bisher in allen Epidemien beobachtet worden ist. i ja i ir» Ein klassisches Beispiel dafür ist die Choleraepidemie in Altenburg im Jahre 1863, : t c:iPT welche durch eine aus Odessa zugereiste Frau verursacht wurde, mit einer Morta- -nrtoE lität von 468 Personen. |

Die wichtigsten Infektionsquellen der Cholera sind die Fäces des Er- -iH -'»j krankten, in denen sich die Choleravibrionen in außerordentlich großer Anzahl jLtaxnA vorfinden.

Im Erbrochenen, in den übrigen Se- und Exkreten, im Blute sind die jeib ou. Kommabazillen nur selten nachgewiesen worden. 1

Die einzige Eintrittspforte für die Infektion ist der Magendarmkanal. .Inrnnnn

Von Infektionswegen kommen in Betracht:

1. Die Kontaktinfektion durch Berührung des Kranken, seiner Fäces oder isbo - durch damit infizierte Wäsche und Kleidungen; durch diese Infektion entstehen jiojIoipJi kleine, gruppenweise auftretende Epidemien, in denen ganze Familien, die Bewohner leiulv/r ganzer Häuser zuerst erkranken, von welchen aus die A r erSchleppung auch durch rfoanb Personen, welche Cholerabazillen in ihren Stühlen haben, ohne zu erkranken, er- -t» ,r;<; folgen kann (Beobachtungen von AVaciismuth, Ackermann, Köstlin u. a.).

2. Die Infektion durch Trinkwasser: dabei erkranken zu gleicherleiloioli: Zeit zahlreiche Menschen, die Seuche tritt explosionsartig auf und befällt ganze Dxnng : Stadtteile, ganze Städte, ganze Flußtäler, je nachdem das infizierte AVasser ausäm -io>, Brunnen, AVasserleitungen oder Flüssen gewonnen wird. Die Mortalität der durch iowh t T rinkwasser verursachten Epidemien ist stets eine große (Koch) und nicht bloß die )ib hold Allgemeinheit, sondern auch das einzelne Individuum ist durch infiziertes Trink-ffni-iT r wasser mehr gefährdet, weil das AVasser sehr schnell den Magen passiert und imi biur den Dünndarm gelangt (Flügge).