Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Dr. Paui. Krause und Dr. Tu. Rumpf.

liehen rohen Speisen) sich ausgesetzt hatten, daß die Erkrankung auf den Verkehrs­wegen, insbesondere mit den Truppenmärschen und dem Schiffsverkehr sich aus­breite, daß sie keineswegs an allen Orten in gleicher Weise aufträte, manche Orte überspränge.

Tom Whyte sprach als erster die Ansicht aus, daß die Cholera von unbe­kannten Eigenschaften der Atmosphäre abhänge, er beschuldigte speziell den Süd­westwind als Verursacher der Seuche; Bryden schloß sich später dieser Ansicht an und sah die Ursache der Cholera iu dem Monsun und gewissen Bodenverhält­nissen; über von Pettenkofers und seiner Schüler Ansichten wird an anderer Stelle berichtet,

Mit großer Schärfe wies Griesinger auf einespezifische und der Ver­breitung von Ort zu Ort fähige Ur Sache der Cholera hin.Dieses, seinem Wesen nach unbekannte, durch seine Wirkungen unzweifelhaft sich manifestierende Agens, dieses sei das Wandernde. Wo immer die Cholera vorkäme, muß eben diese spezifische, giftige Ursache vorhanden sein.

Diese spezifische Ursache ist nach heute fast allgemein anerkannter Ansicht der von Robert Koch im Jalire 1883 entdeckte Choleravibrio.

Robert Koch wurde im Jahre 1883 als Führer einer vom Reiche zum Studium der Cholera ausgerüsteten Kommission, welcher außerdem noch Gaffky und Fischer angehörten, nach Ägypten gesandt; da die Seuche daselbst schon im Erlöschen war, ging die Kommission nach Indien weiter. Schon in Ägypten gelang es Koch, die Cholera als spezifische Darmerkrankung und einen kommaähnlichen Bazillus als Ursache derselben zu erkennen. Doch erst in Indien, nach monate­langer, intensiver Arbeit konnte er denselben als sicheren Erreger der Cholera hin­stellen; bakteriologische Untersuchungen an Cholerakranken und Choleraleichen, viele Kontrolluntersucliungen an Gesunden und anderweitig Erkrankten, der Nach­weis der Choleravibrionen im Wasser war dazu nötig.

Morphologie und Biologie des Choleravibrio.

Der Choleravibrio (Kommabazillus, Cholerabazillus, Spirillum cholerae Koch,Bacille virgule der Franzosen) ist ein gekrümmtes Stäbchen (ca. 2 « lang, 0,4 fi breit), dessen Enden nicht in der gleichen Ebene liegen; die Krümmung ist häufig gering, kaum wahrnehmbar, bald größer, so daß Halbkreisformen entstehen. Unter ungünstigen Wachstumsbedingungen wächst er zu richtigen Schraubenformen aus, unter günstigen Wachstumsbedingungen sind häufig nur kurzovale, kokkenartige Gebilde zu erkennen.

Die E i g e n b e w e g u n g ist sehr deutlich und rasch; sie ist durch eine lauge endständige gewundene Geißel bedingt (Gottschlich und Kolle); die Angaben früherer Untersucher, daß zwei und mehrere Geißeln vorhanden sind, beruht auf Fehlerquellen. Bei mehrtägigen und älteren Kulturen treten Involutionsformen und Unbeweglichkeit auf; Sporen kommen nicht vor.

Bei Kulturen, welche Generationen lang nur auf künstlichen Nährböden fort­gezüchtet worden sind, geht die Krümmung des Choleravibrio verloren, welche sich bei Tierpassagen manchmal wieder hersteilen läßt.

Die Färbbarkeit der Choleravibrionen ist mit allen gebräuchlichen Anilin­farben eine gute, die Färbung nach Gram fällt negativ aus. Die Färbung in Schnitten ist ziemlich schwierig, am besten gelingt sie mit Unnas Polychrom­methylenblau.

Die Kultur der Kommabazillen gelingt leicht auf allen gebräuchlichen Nährböden, welche eine gewisse Alkaleszenz haben; sie wachsen nur aerob,

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