Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Bazillenruhr.

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ergibt. Das Erbrechen, das ebenfalls gleich im Anfang der Krankheit vorhanden sein kann und namentlich bei Kindern beobachtet wird, hat im Gegensatz zum Singultus im Anfang der Krankheit keine üble Vorbedeutung. Es w T ird aber zu einem ungünstigen Zeichen, wenn es erst auf der Höhe der Er­krankung au ft ritt. Aus dem Gange der Temperatur kann man aber keine Rückschlüsse auf den weiteren A r erlauf der Krankheit ziehen. Hochfieberhafte Fälle verlaufen oft ganz leicht und Fälle mit geringem Fieber enden mitunter letal. Kramm ist der Ansicht, daß in Fällen, in denen die Temperatur dauernd über 38,5° C bleibt, Komplikationen vorliegen. Die übelste Vorbedeutung haben aber jene oben beschriebenen aashaft stinkenden, mit schwärzlich roten Fetzen vermengten Stühle, die anzeigen, daß sich eine putride oder gangrä­nöse Ruhr entwickelt. In solchen Fällen wird die Temperatur meist subnormal.. Indes selbst hier ist ein tödlicher Ausgang durchaus nicht immer die Regel. Auch wiederholte rein blutige Entleerungen gestalten den betreffenden Ruhrfall zu einem ernsten, weil der Kranke entweder durch wiederholte Blutungen langsam erschöpft werden oder einer sehr heftigen sofort erliegen kann.

Eine ungünstige Prognose scheint auch bei gleichzeitigem Bestehen einer chronischen Nierenentzündung gestellt werden zu müssen. Nach Kriege endeten von 4 derartigen Fällen 3 tödlich.

Als ernst sind auch stets Rückfälle anzusehen. Denn es ist mehr als einmal beobachtet worden, daß sich an eine leichte Ersterkrankung ein tödlicher Rückfall anschloß.

Ebenso gefährlich sind begreiflicherweise Komplikationen mit anderen akuten Infektionskrankheiten, wie z. B. schwerer Malaria oder Typhus.

Prophylaxe.

Die allgemeinen prophylaktischen Maßnahmen sind auf Grund der in den Kapiteln Ätiologie und Epidemiologie angeführten Tatsachen zu ergreifen. Da bei der Bazillendysenterie nur die Stühle der Kranken die Ruhrerreger enthalten und weder im Urin noch im Speichel solche gefunden worden sind, so müssen zunächst die Stühle des Kranken und alles, was mit ihnen in Berührung gekommen sein kann, desinfiziert werden. Es genügt also nicht, das Stechbecken zu desinfizieren, in dem der Stuhl sich befand, sondern es müssen auch Leib- und Bettwäsche, so­wie die Kleidungsstücke des Kranken desinfiziert werden. Da aber der Kranke Ruhrerreger auch stets an seinen Händen haben wird, so muß alles, was der Kranke gebraucht hat, gleichfalls desinfiziert werden. Auch wird man Bett und Fußböden desinfizieren, weil bei dem furchtbaren Stuhldrang oft Stühle wider Willen ins Bett oder auf den Fußboden entleert werden.

Aus gleichen Gründen müssen natürlich alle Ab- und Hauswässer desinfiziert werdeu. Denn sie werden stets zu Epidemiezeiten Ruhrbazillen enthalten, wenn mit Ruhrstuhl beschmutzte Wäsche oder andere infizierte Gegenstände vorher darin gewaschen wurden. Wo diese hygienische Vorsorge außer acht gelassen wird,, werden diese Hauswässer, namentlich wenn sie noch in Pfützen um die Wohnungen herum stagnieren, erheblich zur Verbreitung der Ruhr beitragen.

Die Verhältnisse bei einem offenbaren Ruhrfall liegen also sehr einfach.. Schwieriger gestalten sich die Maßnahmen, wenn es sich um sogenannte latente lälle handelt. Wie wir gesehen haben, sind diese Fälle aber gerade die gefähr­lichsten. Denn durch die unerkannten Fälle wird die Krankheit am leichtesten weiter verschleppt. Ich erinnere nur an die-Erfahrungen, die auf dem ostafrikani­schen Blokadegeschwader oder aber bei dem einen Rückfall aus der Döberitzer