Bazillenruhr.
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hingegen und auf den Gilbert- und Elliceinseln scheint die Ruhr zu fehlen. Wenigstens erwähnen sie weder SßRfis noch Axgord in den allerdings sehr kurz gehaltenen Berichten. In Honolulu wird die Dysenterie erst an siebenter Stelle auf- geführt (Beaumanoir). In Neu-Guinea ist sie namentlich unter den farbigen Arbeitern ziemlich weit verbreitet und ergreift auch die Europäer, scheint aber auch hier eingeschleppt worden zu sein. Wenigstens schreibt Dempwolff 1898 „Echte Dysenterie bekam ich nur aus dem Bismarckarchipel eingeschleppt an Rekonvaleszenten (Strafgefangenen) zu sehen; ich kann nichts darüber berichten“. Auf dem Bismarckarchipel und in Samoa ist sie aber wieder weit verbreitet, wie die Ruhrepidemie zeigt, die 1879/80 auf S. M. S. „Bismarck“ im Hafen von Apia ausbrach, auch in Neupommern trat im Jahre 1886 eine heftige Ruhrepidemie auf. „Im November 1886 herrschte im Innern Neupommerns eine heftige Ruhrepidemie, welche, den Verkehrswegen folgend, im Dezember die Küste erreichte, von Januar bis Februar an der Blanchebucht und in Matupi viele Opfer unter den Eingeborenen forderte, auch mehrere der dort lebenden Weißen ergriff“ (Mar.-San.-Ber. 1885/87).
ln Tonga wurde laut Marinesanitätsbericht 1876/77 ebenfalls Ruhr beobachtet.
Welcher Art aber die Ruhr auf den verschiedenen Inselgruppen ist, läßt sich vor der Hand noch nicht sagen. Nur so viel ist sicher, daß in Neukaledonien die Amöbenruhr wegen der zahlreichen beobachteten Leberabszesse heimisch sein muß.
Pathologische Anatomie.
a) Akutes Stadium. Für die Bazillenruhr trifft die Definition Ziegler’s zu, daß die Ruhr anatomisch eine nach Intensität in den einzelnen Fällen verschiedene Darmentzündung ist, die im wesentlichen auf den Dickdarm beschränkt bleibt. Diejenigen Stellen, die am stärksten und längsten mit dem Kot in Berührung kommen, wie die Umbiegungsstellen des Dickdarms, des Blinddarms und die Ampulla recti zeigen die stärksten Veränderungen. In verschiedenen Gegenden scheinen verschiedene Stellen des Dickdarms verschieden oft befallen zu werden. So berichten z. B. Bertrand, Calmette, Corre und Fontan, daß in Cocliinchina von der Dysenterie fast immer nur Rektum, S Romanuni und die Illeocökalklappe befallen werden, während auf den Antillen und im französischen Sudan die Dysenterie zunächst das Quercolon ergreifen und dann erst auf das Rektum übergehen soll. Indess die dysenterischen Veränderungen bleiben nicht immer auf den Dickdarm beschränkt. Der Krankheitsprozeß kann seltenerweise auch auf den untersten Abschnitt des Dünndarms übergreifen.
Die krankhaften Veränderungen beginnen stets auf der Höhe der Scldeimliaut- falten, also zunächst an der Oberfläche und schreiten von da aus in die Tiefe fort, ln einer Reihe von Fällen findet aber ein Fortschreiten der Erkrankung in die Tiefe nicht statt und die Darmschleimhaut wird nicht zerstört. Man hat diese Art als katarrhalische Ruhr bezeichnet. In einer anderen Reihe von Fällen werden aber auch die tieferen Schichten des Darms mitergriffen und zugleich mit der Schleimhaut zum Absterben gebracht. Sie erscheinen dann in Gestalt gangränöser Fetzen im Stuhlgang. Diesen letzteren Prozeß hat man als diphtherische Ruhr bezeichnet. Zwischen beiden Formen kommen Übergäuge vor. Da aber diese beiden Ruhrformen, wie wir jetzt wissen, von einer und derselben Schädlichkeit, nämlich dem Ruhrbazillus hervorgerufeu werden und nur einen stärkeren oder schwächeren Grad eines und desselben Prozesses vorstellen, außerdem häufig nebeneinander bei demselben Individium gefunden werden, so ist es nicht notwendig, aus diesen Erscheinungen zwei besondere Ruhrarten zu machen.
In den leichteren Ruhrfällen ist die Darmschleimhaut stark gerötet, gelockert und geschwollen, mit einer von blutigen Streifen durchsetzten, schleimig-glasigen