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Bd. 2 (1905)
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Prof. I)r. Georg Sticker.

Haufen durchsetzt gefunden, die sich entlang den Portalgefäßen in der Capsula Glissonii verbreiten. Die Iiilusdrüsen der Leber erkranken regelmäßig mit.

Auch die Milz ist gewöhnlich stark vergrößert; sie erscheint auf der Schnitt­fläche von gelben Punkten und Streifen durchsetzt, bazillenreichen Lepromeu ent­sprechend, die von den Arterienscheiden und PACiNischen Körperchen ihren Aus­gang nehmen. Die Hilusdriisen nehmen teil an der Erkrankung.

Bei der Hautlepra sind in einem vorgerückten Stadium die Hoden wohl regelmäßig ergriffen und von intertubulären und intratubulären Infiltraten durch­setzt. Den spärlichen Samenresten, die in den Samenkanälchen gefunden werden, sind meist zahlreiche Bazillen, in körnigem Zerfall begriffen, beigemengt.

Die Eierstöcke hat man in manchen Fällen leprös gefunden.

Am Darm scheinen spezifische Veränderungen nicht gerade häufig zu sein; dementsprechend findet man auch im Darminhalt der Leiche ebenso schwer und selten Leprabazillen wie in den Fäces und diarrhoischen Entleerungen der noch lebenden Leprösen.

Auch die Nieren zeigen selten lepröse Infiltrate; um so häufiger werden die Zeichen der akuten und chronischen Nierenentzündung an der Leiche festge­stellt. Das Bild der akuten Nephritis, die große weiße Niere, die Schrumpfniere und Mischformen sind Befunde in ungefähr einem Viertel der Fälle.

Wie weit die zahlreichen Knochen Veränderungen, die bei Leprösen aufzutreteu pflegen, auf spezifischen Invasionen beruhen oder als trophische Störungen sekundär von den Läsionen des Nervensystems und der Lymphbahnen abhäugen, ist gegenwärtig nicht zu übersehen. Sicher gibt es eine lepröse Osteomyelitis mit folgender Knochennekrose; sicher auch kommen Gelenkerkrankungen trophischer Art vor, wie sie von den Tabikern bekannt sind.

Dem Blut der Leprösen, dem die Arzte des Mittelalters auf Grund gewisser Veränderungen (Sandgehalt usw.) eine diagnostische Bedeutung beilegten, haben die Neueren keine Aufmerksamkeit gewidmet. Über Leprabazillen im Blut später.

In den Leichen können sich die Leprabazillen zweifellos lange erhalten. Man hat sie noch drei Monate nach der Beerdigung massenhaft im exhumierten Kadaver gefunden.

Die Aufbewahrung von Leichenteilen Lepröser geschieht, wenn später bakterio- skopische Untersuchungen beabsichtigt sind, am besten zum Teil in Spiritus, zum Teil in 10°/oiger Formalinlösung. Zur Färbung der Präparate vgl. den Abschnitt: Ätiologie.

Verlauf und Krankheitsersclieinuiigeii.

Die Krankheitsbilder der Lepra.

In der Schilderung des Aretaeus, die wir als ein Beispiel gegeben haben, ist das äußere Bild der Lepra so naturgetreu und scharf entworfen, daß es einer weiteren Ausführung kaum bedarf. Es befriedigt alle gerechten Ansprüche an die Nosographie. Immerhin erscheint es zweckmäßig, das Bild nicht nur so zusammen­gesetzt zu betrachten, wie Aretaeus es tut, sondern es auch einmal in die ver­schiedenen Typen zu sondern, wie sie tatsäclilich nebeneinander beobachtet werden. Je nachdem nämlich die Lepra ihren Sitz ausschließlich oder vorzugsweise in der Haut oder in den tiefen Luftwegen und anderen Eingeweiden oder in dem Nerven­system nimmt, entsteht natürlich ein ganz anderes äußeres Bild der Krankheit und die Unterschiede dieser Bilder sind um so auffallender, je ausschließlicher die ein­seitige Lokalisation und je weiter der Krankheitsprozeß vorgeschritten ist.