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Bd. 2 (1905)
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Aussatz oder Lepra.

Von

Professor Dr. Georg Sticker, Gießen.

(Mit Tafeln XIXIV.)

Deutsch Aussatz, im Mittelalter anfangs M a 11 z e i, Miselsucht; französisch la lepre, im Mittelalter Ladrerie, la grosse Maladie; italienisch lalebbra, im Mittelalter mal morto; neugriechisch Lova; spanisch Mal de San Lazaro; ungarisch Poklossag (= Höllenleiden); englisch Leprosy; holländisch Melaat- scheid; norwegisch Spedalskhed; türkisch Pis; indisch Rukta-Kusta und Raktapiti; chinesisch Fafung und Taikoh; japanisch Ten-kei (= Himmels­strafe) usw.

Lepra nennen wir eine Seuche, die, seit Jahrtausenden im Menschengeschlecht einheimisch, sich in mannigfaltigen, höchst entstellenden und verstümmelnden Krank­heitsbildern äußert, die Ergriffenen bei sehr chronischem Verlauf des Leidens nur ganz ausnahmsweise zur Genesung kommen läßt und sich von Mensch zu Mensch fortzupflanzen trachtet, höchstwahrscheinlich vermöge eines besonderen Bazillus, der als ein regelmäßiger Befund in den Krankheitsprodukten der Leprösen diese Pro­dukte durch seine Gegenwart von allen anderen unterscheidet.

Die Geschickte der Lepra

verliert sich im Dunkel der Urgeschichte der Menschheit. Die ältesten Urkunden der Ägypter, der Indier, der Juden beschreiben die Krankheit deutlich. Das Büch­lein Hiob nennt sie die älteste Tochter des Todes. Im Pentateuch heißt das Übel Zaraath. Zaraath wird im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus in der Septuaginta mit Lepra übersetzt. Die Vulgata nimmt die Bezeichnung auf. Lepra ist aber den Griechen wie Zaraath den Hebräern ein Sammelname, der Gele ent­stellenden Haut- und Gliederkrankheiten begreift; unter diesen als die furchtbarste eine unheilbare, ansteckende, die schlimmsten Verwüstungen anrichtende Krankheit, vor deren Ausbreitung sich ein Volk nur dadurch schützen kann, daß es die Kranken, sobald die ersten Zeichen des Übels an ihnen erschienen sind, aus seiner Mitte ab­sondert. Die Anfänge der großen Krankheit sind aber schwer von gewöhnlichen kleineren Krankheiten zu unterscheiden; ihre Erkennung ist eine besondere Kunst der Priester; ihre Beschreibung der Gegenstand einer besonderen Überlieferung. In