Aussatz oder Lepra.
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nesien und Polynesien. Schon im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts hat im Osten die Lepra den Namen der Chinesenkrankheit. An einzelnen Orten geschieht ihr Wachstum mit unheimlicher Schnelligkeit. So auf Honolulu. Hier war im Jahre 1853 ein einziger lepröser Chinese; im Jahre 1880 zählt man über 2000 Leprakranke daselbst und vom Jahre 1866 bis auf heute sind in dem Leprosorium von Molokai über 4000 Lepröse gestorben. Nach den neuesten Berichten nimmt die Lepra auf den Hawaiinseln wieder rasch ab durch Aussterben der Eingeborenen. — Auch Australien wird um das Jahr 1851 von China aus mit Lepra angesteckt; sie wächst noch stetig über Neusüdwales, Südaustralien und Queensland. In Neuseeland wird ebenso seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Einschleppung und Ausbreitung der Lepra beobachtet. In Neucaledonien bis 1865 unbekannt, hat die Chinesenkrankheit jetzt dort über 4000 Hörige. Auf den Freundschaftsinseln wurde 1882 der erste Fall gesehen; sechs Jahre später zählte man 70 Lepröse.
Nach Nordamerika gelangte die Lepra zuerst bei der Eroberung des Erdteils durch Spanier und Neger. Franzosen führten sie in Canada und Luisiana, einwandernde Norweger mehr und mehr in die Vereinigten Staaten ein. Eine neue Vermehrung der Lepra in Mittelamerika, in Guyana, auf den Antillen, auf Reunion und St, Mauritius geschieht in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mit der Sklavenbefreiung.
Die Hottentotten Südafrikas waren, wie es scheint, frei von Lepra, bis im Jahre 1756 die Holländer Malaien von Java nach Kapstadt brachten. Von hier aus geschah die Weiterverbreitung in das Transval und den Oranjestaat. Aufs neue angeregt und verstärkt wurde die Lepraverbreitung in Südafrika, als die Engländer seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ihre ostindischen Soldaten an das Cap brachten. Bald waren auch die Kaffern Natals verseucht. Nur das Zululand ist nahezu ganz verschont geblieben.
Gegenwärtig nimmt die Lepra in Westrußland, in den südlichen Vereinigten Staaten, in Neukaledonien, in Südafrika zweifellos zu. Eine stetige Abnahme ist in Norwegen, auf Island, in Griechenland und seinen Inseln, in der Türkei, in Syrien, in Westindien zu bemerken. Einzelne Länder haben sich bisher trotz wiederholter Einschleppung der Seuche erwehrt. So der größere Teil von Australien, vor allem aber die Vereinigten Staaten Nordamerikas oberhalb des vierzigsten Breitegrades und der größte Teil von Canada. AVenigstens ist die Zahl der Leprösen daselbst sehr gering, wiewohl sich seit zwei Jahrhunderten zahlreiche lepröse Norweger in den Gebieten der großen Seen, in Minnesota, Wisconsin und Dakota niedergelassen haben.
Die geographische Verbreitung der Lepra.
In Europa ist die Lepra heute der Hauptsache nach auf beschränkte Gebiete des Nordens und auf die südöstlichen Küstenländer beschränkt. AVir finden Lepraherde im Nordwesten Skandinaviens, in Finnland, in den Ostseeprovinzen Rußlands, in Island und Grönland; ferner im unteren Donau gebiet, in der Alo 1 dau, in der Türkei, in Griechenland. Spuren von ihr bestehen im nordwestlichen und im südlichen Frankreich, an der Riviera, an der AVest- kiiste Spaniens und Portugals. Einzelne Fälle beherbergen die großen AVelt- städte Paris, Amsterdam, Hamburg; bei diesen handelt es sich ausnahmslos um Kranke, die in auswärtigen Lepraherden das Übel erworben haben. Das Deutsche Reich zählt gegenwärtig etwa 40 Lepröse, von denen drei Viertel im Kreise Memel an der rußisch-preußischen Grenze zusammengehören; die übrigen wohnen ver-
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