Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Prof. E. Balz und Prof. Kinnosuke Miura.

Komplikation mit anderen Krankheiten.

Meist ist hier die Beriberi sekundär, selten primär.

Ilithisis. Im Hochsommer bekommt eine große Anzahl von Phthisikern sekundär Beriberi, und die Prognose wird dadurch verschlechtert, wenn auch nicht immer in dem Grade, als man erwarten sollte. Besonders gefährlich ist natürlich die Lähmung der Atmungsmuskulatur.

Pleuritis. Im Sommer häufige und gefährliche Komplikation.

Dysenterie. Sekundäre Beriberi macht hier die Prognose fast sicher tödlich.

A b do m i n a 11 v ph u s. In manchen Sommern erkranken viele Typhuspatienten gegen Ende der Krankheit oder als Bekonvaleszenten an Beriberi; die Prognose wird mäßig verschlechtert, die Genesung, immer sehr verzögert, ist alter die Regel. Ein im Laufe von Beriberi aufgetretener Typhus verlief ohne wesentlichen Einfluß auf die und durch die Beriberi.

Puerperium. Es wurde schon erwähnt, daß dieser Zustand die Disposition der Frauen für Beriberi enorm steigert, und daß die meisten Fälle ziemlich schwer sind und mit Wassersucht verlaufen.

Auch haben wir den Eindruck, als oh sich chronische Nervenkrankheiten aller Art besonders gern mit Beriberi komplizierten.

Unter 297 ins Beriberihospital aufgenommenen Beriberifällen fand Kinnosuke Miura Komplikationen in 40%, nämlich Abdominaltyphus 21, Tuberkulose 20, Pleuritis 12, Puerperium 6, Dysenterie, Magenkatarrh und Dyspepsie. Ankylostomiasis je 4 mal etc.

Die Beriberi war in fast allen diesen Fällen sekundär.

, Prognose und Ausgänge der Krankheit.

Der bei weite m h ä u f i g s t e A u s g a n g ist Genes u n g, wobei allerdings oft Rezidive zu erwarten sind. Der Verlauf der Einzelerkrankung nimmt in den ganz leichten Fällen bei sofortiger Behandlung oder Ortswechsel oft nur etwa eine Woche, in allen stärkeren Fällen einen Monat bis ein halbes Jahr und noch länger in Anspruch. Die Besserung, welche in diesen Fällen in der Regeneration zahl­reicher Muskel- und Nervenfasern besteht, erfolgt mit dem Eintritt der kühlen Jahreszeit. Auftreten reichlicher Diurese ist immer ein gutes Zeichen.

Zuweilen indessen schleppt sich die Krankheit bis in die nächste Beriberi- saison hinein, wenn auch nur in ihren Residuen.

Solche Residuen sind am häufigsten eine unvollständige Herstellung der alten Kraft oder mehr oder weniger deutliche Hypästhesie; andere Male kommt es wie erwähnt durch entzündliche Schrumpfungsprozesse in den Wadenmuskeln zu einer starren (bei richtiger Behandlung vermeidbaren) Pes varoequinus- Stellung. Wenn dann die Muskulatur genügend kräftig geworden ist, um das Gehen überhaupt zu ermöglichen, so gehen die Kranken auf den Zehen, während Fußsohle und Ferse den Boden nicht berühren. Auf der chirurgischen Klinik in Tokjm wurde wegen solcher Störung wiederholt die Achillessehne durchschnitten. Andere Male bleibt Neigung zu (idem zurück, oder irgend eine Höhlenwassersucht resorbiert sich nicht. So mußten wir mehrmals einen zurückbleibenden Ascites punktieren, worauf Heilung eintrat. Auch anämische Zustände, Herzklopfen oder allgemeines Schwächegefühl können lange Zeit fortbestehen.

Daß die Beriberi eine Krankheit ist, die gerne Rückfälle macht, ist schon wiederholt erwähnt. Der Verlauf ist gewöhnlich der, daß im ersten Jahr die