Beriberi oder Kakke (Polyneuritis endemica).
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Audi in Südamerika scheint Beriberi im Fortschreiten zu sein und hat nach Norden zu schon Panama und Kuba erreicht.
Nordamerika ist mit Ausnahme einzelner Fälle auf japanischen Schiften in San Franzisko und bei eingewanderten Japanern frei; die angeblichen Epidemien von Beriberi in Irrenanstalten der Vereinigten Staaten sind nicht sicher als solche erwiesen.
In Europa beobachtet man manchmal die Krankheit auf den aus dem Osten einlaufenden Schiften in den großen Handelshäfen, wie London, Liverpool, Dublin Glasgow, Marseille, Hamburg, Bremen.
Endemisch und wenigstens scheinbar autochthon ist die Krankheit in diesem Weltteil bisher nur in einigen Irrenhäusern Irlands (Dublin 1894, 1886 und 1897) aufgetreten. Hier waren die Symptome derartig, daß man kaum zweifeln kann, daß es sich wirklich um Beriberi handelte.
Überblickt man die Beriberigebiete, so findet man 1. daß sie fast durchweg die Ostränder großer Kontinente betreffen, und daß sie alle regenreich sind mit jährlichen Niedersclilägen von mehr als 100 cm. Daß in Afrika die Westküste in großer Extensität (wenn auch in geringer Intensität) ergriffen ist, erklärt sich daraus, daß in diesem Kontinent auch die westliche Seite sehr regenreich ist. 2. Daß auf einer Weltkarte die Ausbreitung der Beriberi fast genau mit dem Gebiet des Reisbaus zusammenfällt.
Ähnlich wie Cholera und gelbes Fieber bricht ferner Beriberi öfters mit Heftigkeit auf hoher See aus. Die japanische Marine hat in früheren Jahren in dieser Hinsicht traurige Erfahrungen gemacht, so daß oft kaum genug kräftige Hände für den Dienst da waren. Der Ausbruch erfolgte zuweilen in Meeren oder an Küsten, wo die Krankheit sonst ganz unbekannt war, und zwar oft erst Monate nach dem Verlassen von Japan. Solche Endemien waren meist bösartig. Die niederländische Marine in Insulinde hat ähnliche Endemien erlitten. Auch auf den Handelsdampfern zwischen Ostasien, Europa und Amerika sind bei Chinesen, Japanern und Malaven einzelne Fälle und Schiffsepidemien vorgekommen, nachdem längst kein beriberiintizierter Hafen berührt war. Ob die Erkrankungen an Segelschiffs-Beri-Beri (Nocht) und Beri-Beri nautique (Cruchot, Barthelejiy) auf Schiffen, welche nicht selbst oder durch die Übernahme von Mannschaft mit den tropischen Beri-Beri-Herden in Berührung kamen, zu dieser Krankheit zu rechnen sind oder eine selbständige zwischen Skorbut und Beri-Beri stehende Affektion darstellen, ist noch nicht klar.
Pathologische Anatomie.
Beriberileiclien sind meist gut genährt, weil die akuten Fälle am häutigsten zur Sektion kommen. Schlecht genährte Leichen gehören entweder der chronischen oder der mit zehrenden Krankheiten komplizierten Form an. Die Haut ist bleich mit cyanotiseher Verfärbung an den Extremitäten, Lippen und Ohren, mit ausgedehnten Leichenflecken oder zerstreuten Hämorrhagien bedeckt, meist ödematös oder über der ödematös durchtränkten Muskulatur stark gespannt. Beim Durchschneiden der Haut quillt das dunkelrote flüssige Blut aus den angeschnittenen Venen in ganz erstaunlicher Menge hervor, gemischt mit der Ödemflüssigkeit, welche sich unter der Haut, in und zwischen der Muskulatur befindet. Die Totenstarre wird bald als gering und von kurzer Dauer, bald als stark und von langer Dauer angegeben, so daß sie von verscliiedenen Umständen abhängig zu sein scheint.
\on der Wasseransammlung in den serösen Höhlen sei besonders die von allen Beobachtern betonte große Häufigkeit und Intensität des Hydro-