Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Dr. James Carroll.

Stätten und Schlupfwinkel für die Insekten, wie Wasserpflanzen, Blumentöpfe, Blech­büchsen u. dgl. beseitigt.

Mit dem Ersatz der hölzernen Schifte durch eiserne ist das Bilschwasser und damit eine Brutstätte für Mücken fast verschwunden. Auch die immer kürzer werdende Dauer der Fahrten und der starke Luftzug auf schnellfahrenden Schiffen ist der Vermehrung und dem Aufenthalt der Mücken an Bord ungünstig.

Nicht immune Personen dürfen infizierte Örtlichkeiten höchstwahr­scheinlich ungestraft zur Erledigung von geschäftlichen und Berufsarbeiten zwischen 9 Uhr vormittags und 3 Uhr nachmittags besuchen. (Quarantäne ist notwendig. Wenn auch der jetzt übliche Zeitraum von fünf Tagen ausreichend erscheint, so soll man doch bedenken, daß die Inkubationszeit manchmal sechs Tage beträgt.

Persönliche Prophylaxe. Nichtimmune können infizierte Lokalitäten in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags ohne nennenswerte An­steckungsgefahr besuchen. Solange sich solche Personen in verseuchten Gegenden oder deren Nachbarschaft aufhalten, müssen sie stets und unweigerlich unter Moskito­netzen schlafen, auch wenn keine Stechmücken dort gesehen werden. Ehe sie sich zur Ruhe niederlegen, ist das Moskitonetz auf seine Dichtigkeit zu untersuchen und auf etwa eingedrungene Mücken innerhalb des Netzes und unter dem Bette zu fahnden. Wenn das Netz mit seinem unteren Saume festgesteckt ist, so ist die Möglichkeit gegeben, daß der Schlafende mit einem Arm oder Bein das Netz dicht berührt und durch die Maschen gestochen werden kann. Ein breites Bett ist des­wegen besser als ein schmales. Während der späteren Nachmittags- und Abend­stunden gewähren Einreibungen mit Mentholsalben, Ol von Mentha puliquium, Chinin­glyzerin (Messe) usw. einen gewissen Schutz. Sicherer aber ist es, nach Sonnen­untergang das Haus, dessen Türen, Fenster und sonstigen Öffnungen durch eng­maschige Drahtgazegitter wohl verschlossen siud, nicht zu verlassen.

Alle Dachrinnen und Ausgüsse, alte Blechbüchsen und sonstige Gefäße, in denen Wasser stehen bleiben kann, müssen oft und sorgfältig auf Mückenlarven untersucht werden. Wenn in Regentonnen, Zisternen oder dgl. Wasservorräte ange­sammelt werden, dann ist mückensicherer Abschluß dieser Behälter durch Deckel oder eine Schicht Petroleum erforderlich. Luftlöcher und andere Öffnungen von Zisternen usw. müssen mit Kappen aus Drahtgaze oder undurchlässigem Stoff ver­schlossen sein. Bei Beobachtung dieser Vorschriften ist die Gefahr einer An­steckung mit Gelbfieber und auch Malaria sehr klein.

Die Schutzmaßregeln gegen Stechmücken werden an anderen Stellen dieses Werkes eingehend besprochen.

Behandlung.

Die bei einer Krankheit Vorgefundenen Veränderungen geben den besten Fingerzeig für die einzuleitende Therapie. Obwohl wir den spezifischen Erreger des gelben Fiebers nicht kennen, kann sein Vorhandensein im Blute während der ersten Zeit der Erkrankung als bewiesen gelten. Die starke fettige Degeneration und Zellnekrose, welche bei Obduktionen in der Leber gefunden wird, läßt auf ein starkes Toxin schließen, dessen Wirkung sich primär in der Leber, sekundär in den Nieren und in geringerem Grade im Herzen, den willkürlichen Muskeln, dem Ge­fäßendothel usw. offenbart. Dieser Vorgang spielt sich in folgender Weise ab: Zuerst unterliegen die Leberzellen, für welche das Toxin eine besondere Affinität zeigt, trüber Schwellung und parenchymatöser Entartung. Hierdurch wird eine deutliche Vergrößerung des Organs hervorgerufen unter starkem Druck auf die