Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
127
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Gelbfieber.

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Prognose.

Die Vorhersage des Ausgangs eines Gelbfieberanfalls ist stets zweifelhaft. Anscheinend milde verlaufende Fälle enden oft nach wenigen Tagen mit dem Tode und selbst bei schweren Erkrankungen ist, auch wenn das schwarze Erbrechen wiederholt eingetreten und der Patient schon aufgegeben war, noch Genesung möglich.

Schon vorher bestehende organische Erkrankung des Herzens, der Leber oder Nieren verschlechtert natürlich die Prognose zu einer Zeit, wo die Leistungsfähig­keit dieser Organe auf das Äußerste angespannt ist, bedeutend. Trinker liefern die höchste Sterblichkeitsziffer.

Die Mortalität in den einzelnen Epidemien ist sehr verschieden, am Senegal war sie meistens höher als auf den Antillen und erreichte dort 1878 97 % (Roux).

Diagnose.

Die Diagnose vereinzelter oder der ersten milde verlaufenden Fälle ist oft unmög­lich. Die Entdeckung eines Krankheitserregers wäre für solche Fälle von der größten Wichtigkeit. Leider winkt aber bis jetzt noch nicht die Hoffnung, daß ein solches diagnostisches Hilfsmittel gefunden werde. In Gegenden und während der Jahres­zeit, wo eine Infektion stattfinden kann, müssen verdächtige Fälle expektativ be­handelt und die Diagnose per exclusionem gestellt werden. Malaria und Febris recurrens können durch eine sorgfältige Untersuchung von gefärbten Blut­präparaten ausgeschlossen werden. Bei Schwarz Wasserfieber (s. dieses, Bd. III) können die Parasiten im Blute zwar fehlen, die Anamnese (Malaria- und Chinin­behandlung) und das gleichzeitige Auftreten von Fieber, Ikterus, Erbrechen und dunklem Urin erleichtert jedoch die Unterscheidung. Typhus abdominalis kann, wenn andere Krankheitserscheinungen fehlen, mit fast absoluter Sicherheit durch Kulturen erkannt werden, -welche mit einer während der ersten zwei oder drei Tage der Erkrankungen entnommenen ausreichenden Menge venösen Blutes (20ccm) angelegt werden. Dengue kann im allgemeinen durch das regelmäßige Auftreten des Exanthems und die heftigen Gelenkschmerzen diagnostiziert werden. Bei Icterus gravis zeigt sich sofort gelbliche Färbung der Haut und Konjunktiva, das Fieber ist niedrig und setzt nicht plötzlich ein, der Rückenschmerz fehlt.

Jede der genannten Krankheiten kann gleichzeitig mit einem Gelbfieberanfall auftreten. Da wir aber jetzt wissen, daß die letztere Krankheit nicht kontagiös ist und wir in der Lage sind, mit Sicherheit die Entstehung sekundärer Fälle aus dem in unserer Beobachtung befindlichen zu verhüten, so bildet die Unmöglichkeit einer Frühdiagnose keinen Grund mehr zu großer Besorgnis.

In zweifelhaften Fällen muß man für die Frage der AnsteckungsWahrschein­lichkeit besonders in Erwägung ziehen, wo der Patient gewohnt und gelebt hat, was seine Lebensgewohnheiten und Beschäftigungen sind. Hierzu kommt noch die Jahreszeit, die geographische Lage des Ortes, das Bestehen einer Epidemie oder die Möglichkeit der Einschleppung der Krankheit durch Schiffe, Eisenbahn oder die Person des Kranken selbst.

Rückfälle kommen vor, sind jedoch selten.

Prophylaxe.

Das Gelbfieber muß jetzt zu den leicht zu verhütenden Krank­heiten gerechnet werden, sein epidemisches Auftreten in einem kultivierten Lande schließt immer einen Vorwurf für die Be-