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Dr. James Carroli..
sehenen Gebilde in irgendwelcher Beziehung zum Gelbfieber stehen. Auch in gefärbten Präparaten (nach Giemsa) und in infizierten Stegomyien gelang der Nachweis von Erregern nicht*
Empfänglichkeit und Immunität. Angehörige der weißen Rasse sind empfindlicher für die Infektion mit Gelbfieber als die Neger und unter den ersteren die Bewohner der nördlicheren Länder mehr, als die in südlicheren, d. h. näher dem Äquator gelegenen Ländern Geborenen. Dieses wird durch die Tatsache bewiesen, daß in derselben Epidemie die Sterblichkeit unter den Skandinaviern und Russen größer ist als unter den Engländern und Deutschen und unter den letzteren größer als unter den Franzosen und Italienern.
ln der Kindheit und im vorgeschrittenen Lebensalter sind die Erkrankungen weniger häufig und milder als beim jugendlichen Erwachsenen. Kreolen machen oft im Kindesalter die Krankheit in einer leichten, nicht diagnostizierten Form durch und erscheinen dann immun. Obschon der Neger eine relative Rassenimmunität besitzt, ist er nicht ganz unempfänglich für die Ansteckung, wie zahlreiche Todesfälle von Angehörigen der farbigen Rasse während schwerer Epidemien beweisen.
Ein einziger schwerer Anfall hat zweifellos Immunität für das ganze Leben zur Folge. Es ist dagegen möglich und selbst wahrscheinlich, daß Personen, welche nur eine leichte Erkrankung durchgemacht haben, und dann kürzere Zeit in einem kälteren Klima leben, bei ihrer Rückkehr in das Gebiet des gelben Fiebers erkranken können. Erkrankung zum zweiten Male ist jedoch sehr selten und man kann als Regel annehmen, daß ein Anfall dauernde Immunität bewirkt.
Verlauf und Krankheitserscheinungen.
Prämonitorische Symptome fehlen für gewöhnlich, können jedoch einige Tage vor dem Eintritt des Fiebers in Gestalt eines allgemeinen Unbehagens mit dumpfem Kopfweh und zeitweise auftretenden stechenden Schmerzen in der Lendengegend und im Kreuz Vorkommen. Der Appetit ist alsdann vermindert, die Zunge belegt, die Verdauung stockt. Manchmal tritt Schwindel auf.
Häufiger jedoch erfolgt der Ausbruch der Krankheit plötzlich. Unter Frösteln oder Schüttelfrost erhebt sich die Temperatur rasch auf 39, 40, 41° C oder sogar noch etwas höher, je nach der Schwere der Erkrankung. In ganz milden Fällen kann die höchste Temperatur während der ganzen Krankheit nicht mehr als 38,5° C betragen.
Der anfänglichen Temperatursteigerung folgt nach 24, 36 oder 48 Stunden Abfall des Fiebers um einen oder mehrere Grade, je nach der Heftigkeit der Erkrankung. Diese Remission oder Intermission dauert nur wenige Stunden. Dann steigt die Temperatur aufs neue um etwa einen Grad, in leichten Fällen, oder mehr und sinkt wieder allmählich bis zur normalen Höhe.
In schweren Fällen kann das Fieber etwa 40 bis 41° C, selten mehr (43,3 (> nach La Roche), erreichen und sich einen oder mehrere Tage während der zweiten Exazerbation auf dieser Höhe halten, um dann erst plötzlich oder allmählich zu fallen. In diesem zweiten Stadium treten die schwersten Krankheitserscheiuungen auf und drohen die gefährlichsten Komplikationen.
In der ersten Exazerbation ist der Puls beschleunigt, voll und rasch. Man zählt 90, 120 oder 130 Schläge in der Minute. Während des zweiten Fieberanstieges besteht meistens ein eigenartiges Mißverhältnis zwischen Pulsfrequenz und Temperatur. Die letztere kann sich auf etwa 40 bis 41° C erheben, erstere ist etwa 80 oder 90, fällt aber konstant auf 60, 50 oder nur 40 Schläge in der Minute. Kopfschmerzen bilden zu Beginn der Krankheit eines der beständigsten Symptome.