Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
113
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Gelbfieber.

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Sehr häufig waren die Tubuli erweitert und ihr Epithel abgeflacht oder zerstört. Die Lumina enthielten körnigen Detritus, Eiweißgerinnsel, abgestoßenes Epithel, Blut in verschiedenen Stadien der Zersetzung und hyalines, oft mit Kalkkristallen infiltriertes Material.

Die Kapillaren sind meistens stark mit Blut überfüllt; in vereinzelten Fällen ist das intertubulare Stroma mit seröser Flüssigkeit durchtränkt. Cylinder verschie­dener Art können massenhaft oder nur in verhältnismäßig geringer Menge auftreten.

Bakterien sind in den Glomeruli wie in den Tubuli auch ohne Anwendung besonderer Methoden nachweisbar. In einem unserer 28 Fälle waren die Kapillaren mehrerer Glomeruli mit Massen von mit Hämatoxylin färbbaren Bazillen vollgepfropft, diese waren also in der Tubuli vorhanden, sind aber ohne Bedeutung, weil die Ent­zündung und fast nie fehlende Läsionen der Darmschleimhaut ihr Eindringen erklären.

Milz und Lungen zeigen keine besonders wichtigen Veränderungen. Aus­nahmsweise machen sich dort die Erscheinungen sekundärer bakterieller Infektion bemerkbar.

Im Zentralnervensystem besteht die einzige bemerkenswerte Veränderung in Hyperämie der Häute und gelegentlich Hämorrhagien in der Nervensubstanz. Es sind dieses offenbar die Äußerungen der Einwirkung toxischer Stoffe auf die oft gequollenen und üdematösen oder fettigen Endothelien.

Im Widerspruch mit einer älteren Anschauung läßt das Blut keine konstante und bei mikroskopischer Untersuchung charakteristische Veränderung erkennen. Die polymorphonukleären Leukozyten sind oft mäßig vermehrt und manchmal tritt eine deutliche Leukozytose ein. Das Blut ist arm an Fibrin und enthält selbstver­ständlich häufig Gallenfarbstoffe. Im späteren Stadium der Krankheit verarmen die roten Blutkörperchen an Hämoglobin, nur die weißen zeigen degenerative Vakuoli- sation ihres Protoplasmas. Im Beginn des Gelbfieberanfalls ist das Blut so gut wie normal, die dann erfolgenden Veränderungen sind wechselnd und erklären sich durch die mangelnde Nahrungsaufnahme, die Schwäche und die Leichtigkeit sekun­därer Infektion vom Darmkanal aus.

Magen und Darmrohr sind in verschiedenem Grade an dem Krankheits­prozesse beteiligt. Einige Teile der Schleimhaut werden stets hyperämisch ge­funden. Die Schleimhäute sind entzündlich geschwellt und oberflächlich nekroti- siert. Die nekrotischen Massen sind meistens mit Blut gemischt. Der Zerfall kann sich auf sämtliche Epithelschichten erstrecken. Manchmal kommt es auch zu wirk­licher Entzündung mit Auswanderung von Leukozyten.

Der spezifische Krankheitserreger hat bis jetzt noch nicht entdeckt werden können und wird vielleicht für immer unbekannt bleiben. Erst durch seine Auffin­dung würde die Pathologie der Krankheit völlig klar werden (s. S. 123).

Ätiologie und Vorkommen.

Die unmittelbare wie die vorbereitende Ursache des gelben Fiebers sind seit Jahrhunderten Gegenstand großer Meinungsverschiedenheiten gewesen. Gleich sorg­same und gewissenhafte Beobachter kamen zu den größten Widersprüchen im Er­gebnis ihrer Forschungen. Manche bestanden z. B. darauf, daß die Krankheit an­steckend wäre, weil sie Personen befiel, welche in Berührung mit Kranken ge­kommen waren. Audere behaupteten ebenso bestimmt, daß sie nicht ansteckend sein könnte, weil Menschen mit zweifellos festgestellter Erkrankung an Gelbfieber schwerster Form mit anderen Kranken oder Verletzten in denselben Räumen ver­pflegt und behandelt wurden, ohne daß sekundäre Infektionen erfolgten.

Eine Unzahl von Fällen wurde angeführt, um zweifellos zu beweisen, daß die

Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. II. 8