Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Gelbfieber.

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wandt würden, so könnte man mit Sicherheit Voraussagen: das gelbe Fieber wird bald eine Krankheit sein, welche nur noch der Geschichte angehört!

Trotz der Einschleppung von 22 Fällen in den Jahren 19021904 von Gelbfieber aus anderen Häfen, hat die Seuche in Havanna noch nicht wieder festen Fuß fassen können.

Auch in den übrigen Städten der Insel war die Seuche erloschen, bis Ende 1904 aus kleinen Orten der Provinz Santiago wieder Erkrankungen gemeldet wurden. Traurige sanitäre Verhältnisse, Mangel an Bildung, Energie und finanziellen Mitteln zur Fort­setzung des Vernichtungskampfes gegen die Mücken ermöglichen in jenen kleinen Ge­meinwesen nur zu leicht die Wiederkehr früherer Zustände.

Pathologische Anatomie.

Der Leichenbefund bei gelbem Fieber ist je nach der Schwere der Erkrankung verschieden. Die auffallendsten Veränderungen werden im Verdauungskanal und in der Leber gefunden. Bei einem schweren, rasch tödlich verlaufenden Falle ist der Magen ganz oder fleckenhaft von dunkler Schieferfarbe und oft, jedoch nicht immer, hyperämisch. Derselbe dunkle Schieferton mit oder ohne Hyperämie wird im Duodenum, Jejunum und in einem großen Abschnitt des lleum ge­funden. Das Colon ist viel blasser, kann aber verwaschene blutfarbene Flecken oder undeutliche Streifen in der Richtung seines Lumens zeigen. Diese Verfärbung rührt von Blutergüssen in den Magen und Darm her.

Die Schleimhaut des Magens kann verdickt und nekrotisch, dunkel und stark kongestioniert, in manchen Fällen nur hyperämisch erscheinen. Gewöhnlich finden sich diese Veränderungen in der Gegend der großen Kurvatur. Punkt­förmige oder streifenförmige Ekchymosen werden häufig beobachtet, auch Erosionen kommen vor. In vielen Fällen, welche ohne schwarzes Erbrechen verlaufen sind, ist der Magen mit einer dunklen, schwärzlich-rötlichen breiigen Masse gefüllt, sonst ent­hält er nur eine geringe Menge Schleim, welchem kleine schwarze oder bräunliche Körnchen beigemischt sind, so daß der Mageninhalt eine auffallende Ähnlichkeit mit Kaffeesatz bekommt.

Im Duodenum ist der Katarrh besonders ausgeprägt, ebenso fast immer in der Gegend des Pylorus und im Anfangsteil des Je j un u m. Die Schleimhaut dieses Darm­abschnittes ist stark geschwollen und von mehr oder weniger dunkler Himbeerfarbe.

Das lleum kann eine kurze Strecke weit hyperämisch aussehen, in der Regel fehlt die Hyperämie; das Darmrohr ist jedoch mit einer wechselnden Menge der dunklen blutigen Flüssigkeit gefüllt, welche sich auch in den Zwölffingerdarm und Magen ergossen hat.

Die Schleimhaut des Dickdarms ist blaß, geschwollen und manchmal mit Erosionen oder oberflächlichen nekrotischen Stellen bedeckt. Der rötliche oder teerartige Inhalt ist zersetztes Blut. Der Befund des Darmrohrs ist großen Schwan­kungen unterworfen. Alle die geschilderten Veränderungen können zusammen vor­handen sein, es kommt aber auch vor, daß, abgesehen von wechselnden Formen von Enteritis, die Kongestion der Duodenalschleimhaut die einzige, in einem ge­wissen Grade allerdings nie vermißte Abweichung von der Norm bildet.

Die Leber ist meistens vergrößert, fest, von blaßbrauner Farbe, wie Kaffee mit Milch oder Buchsbaumholz. Diese Färbung kann eine gleichmäßige sein oder fleckig mit Stellen von einem dunkleren braunen Farbenton ab wechseln. Die Zentral­venen sind oft stark gefüllt und das sie umgebende Lebergewebe blaß. Hämor- rhagien und Petechien können sich an der Leberoberfläche unter der Kapsel finden oder in der Substanz des Organs selbst, welches trocken, brüchig uud manchmal an Umfang verkleinert erscheint.