Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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A. van der Scheer.

Störungen, auch wenn sie anscheinend leichter Natur sind, von vornherein eine strenge, diätetische Behandlung gefallen lassen. Gegen Kälte sehr empfindlichen Per­sonen ist im Winter und Frühjahr der Aufenthalt in einem milden Klima anzuraten.

Vor Rückkehr in die Tropen wird im allgemeinen gewarnt. AVenn wir aber sehen, wie oft Aphthaekranke im feuchtkalten Klima unserer Heimat besonders im Winter und Frühjahr Recidive bekommen während es andererseits erfahrungs­gemäß festgestellt ist. daß vielen bei vorsichtiger Lebensweise der Aufenthalt in ge­sunden tropischen Gegenden ganz gut bekommt, so sollte man m. E. bei der Beant­wortung der Frage, ob Rückkehr in die Tropen gestattet sei, keinen zu einseitigen Standpunkt vertreten, sondern immer individualisierend Vorgehen, wobei auch die materiellen Verhältnisse des Kranken gelegentlich Gewicht in die Schale legen können.

Nacht r a g.

Nach der Abfassung der vorhergehenden Arbeit war ich während der Korrektur in der Lage, im Verlaufe von acht Fällen vonSprue Eigentümlichkeiten zu be­obachten, welche die Aussicht eröffnen, daß die Ätiologie der meisten Fälle von primärer Diarrhoea alba in den Tropen einigermaßen aufgeklärt wird.

Der erste Fall betraf einen 36 .lahre alten Herrn, der sich nur 10 Monate in den Tropen aufgehalten hatte. In der ersten Zeit war er völlig gesund. Einen Monat vor seiner Abreise nach Holland bekam er aber plötzlich heftige Diarrhöe. Die heftigen Erscheinungen sistierten bald, aber der Stuhl blieb immer flüssig und gleich nach Ankunft in seiner Heimat konnte ich eine bestehende Diarrhoea alba kon­statieren, zusammen jedoch mit geringfügigen Erscheinungen von fieberloser Appen- dicitis. Letztere verschwand innerhalb dreier Tage. Die Diarrhoea alba besserte sich unter üblicher Behandlung schnell, dennoch erfolgte jede oder jede zweite Woche immer wieder eine Verschlimmerung, und dies ohne plausible Ursache. Die genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufes veranlaßte mich, eine noch bestehende aber larvierte Appendicitis als auslösendes Moment der sich wiederholenden Verschlimmerungen zu vermuten, weshalb die * tperation vorgeschlagen wurde. Gern willigte der Kranke ein. Dieselbe fand statt. (Operateur: Prof. Rotgans.)

Der proximale Teil des Wurmfortsatzes fand sicli obliteriert, der distale Teil in eine dickwandige Höhle mit muco-purulentem Inhalt verwandelt.

Der Kranke erholte sich schnell. Die unmotivierten Anfälle von Diarrhöe traten nicht mehr auf. Die Entleerungen nahmen feste Konsistenz an und wurden dunkel, behielten jedoch noch 2 1 2 Monate lang die Eigentümlichkeiten des Fett­stuhls, welche dann ebenfalls verschwanden und seitdem nicht wiederkehrten.

In diesem hier kurz mitgeteilten Fall konnte die Appendicitis schwerlich als eine einfache Komplikation der Diarrhoea alba gedeutet werden. Die totale Oblitera­tion des proximalen Teiles der Appendix sprach hier vielmehr für eine jahrelang bestehende chronische Entzündung. Dagegen sprach der ganze weitere Verlauf besonders das Verschwinden des Fettstuhls dafür, daß die Minderwertigkeit des Dünndarms hier wesentlich durch die in den Tropen eingetretene Exacerbation der bis dahin larvierten Appendicitis verursacht worden war. Jedenfalls veranlaßte mich dieses Resultat, in allen seitdem von mir beobachteten Fällen (2 von Diarrhoea alba, 5 von Aphthae tropicae) auf die Anwesenheit einer Appendicitis larvata zu fahnden, mit dem Erfolge, daß ich nach längerer Beobachtung in allen Fällen mit größter Wahrscheinlichkeit auf das Vorhandensein derselben schließen konnte und die Operation ohne Bedenken vorschlug.

In allen Fällen fand sich der Appendix, meistens sogar schwer, erkrankt. Sechs

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