Apkthae tropicae.
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schwundenseins aller bekannten Krankeitserscheinungen vorläufig von mir als geheilt betrachteten Fälle, zu kurz ist, um ein definitives Urteil über die Heilbarkeit der Krankheit abzugeben, so möchte ich hier nur meine Ansicht dahin äußern, daß vollkommene Heilung, wenn sie möglich ist, zu den seltenen Ausgängen derselben gehört.
Den oben erwähnten Verhältnissen gegenüber ist es verständlich, daß die durchschnittliche Dauer der Aphthae tropicae unmöglich mit Sicherheit bestimmt werden kann. Wenn wir aber bedenken, daß, nachdem die Krankheit manifest geworden ist, der Verlauf durch Perioden von Verbesserungen und Verschlimmerungen unterbrochen sich nicht selten länger als 10—20 Jahre verfolgen läßt, so weist dies wohl auf ein äußerst schleichendes Fortschreiten des Krankheitsprozesses hin. Manche Kranken sterben denn auch nicht an ihren Aphthae selbst, sondern an gelegentlich auftretenden anderen Krankheiten, die dadurch mehr als sonst gefährden, weil sie Personen befallen, die infolge ihres Darmleidens an Widerstandsfähigkeit eingebüßt haben. Auch kommt es vor, daß irgend eine an sich sonst ungefährliche interkurrente Krankheit das auslösende Moment zur Entstehung eines sog. Recidives darstellt, dem der Kranke schließlich erliegen kann.
Der Ausgang des Leidens selbst wird in der Regel durch zunehmende Inanition und Herzschwäche herbeigeführt, bisweilen auch, wie van der Burg erwähnt, durch das Auftreten abundanter choleraähnlicher Darmentleerungen, welche die Ursache rasch eintretender Kollapserscheinungen sind.
Prognose.
Wenn die Krankheit zeitig diagnostiziert und richtig behandelt wird, so ist die Prognose im allgemeinen insofern keine ungünstige, daß die meisten Kranken es innerhalb nicht zu langer Zeit so weit bringen, daß sie die gewöhnlichen Speisen wieder vertragen, ihr Ernährungszustand sich hebt, ihre Körperkraft wieder hergestellt wird und sie sich bald wieder vollkommen leistungsfähig fühlen. Wie schon erwähnt, ist die Heilung in der Mehrheit der Fälle jedoch nur eine scheinbare. Zwar wird der Darm im allgemeinen zur Verarbeitung einer genügenden Menge Nährmaterial alsbald wieder imstande sein, doch ist es nach den im vorigen Kapitel besprochenen Ansichten ohne weiteres klar, daß das künftige Schicksal der Patienten in hohem Maße vom Umfange der irreparabelen Schädigung, welche die Darmschleimhaut im Einzelfall erlitten hat, abhängig sein wird.
Klinisch läßt sich jener mit einiger Wahrscheinlichkeit eigentlich nur aus dem Verhalten des allgemeinen Ernährungszustandes ableiten. Ist namentlich das Körpergewicht trotz längerem Bestehen der Krankheit nicht übermäßig gesunken, so dürfte man im allgemeinen eine relativ geringe Schädigung der Darmschleimhaut anzunehmen berechtigt sein. Fehlt uns aber dieser indirekte Hinweis, kommt der Kranke in abgemagertem Zustande zu uns, so lehrt die Erfahrung, daß, so lange die sekundären Störungen nicht beseitigt sind, es unmöglich ist, die Schwere des ursprünglichen Prozesses zu beurteilen und mit einem gewissen Maß von Wahrscheinlichkeit den weiteren Verlauf im voraus zu bestimmen. Weder' die Beachtung der Dauer der manifesten Erscheinungen, noch der Grad der Abmagerung noch die Resultate der Funktionsprüfung des Magens, noch diejenigen der Fäces- untersuchung, noch die Heftigkeit der Reizerscheinungen sind imstande, uns in diesem Stadium dazu einen verläßlichen Maßstab zu bieten.
Sind aber einmal die sekundären Störungen gänzlich verschwunden, so tauchen zur Beurteilung der Schwere des Einzelfalls bessere Anhaltspunkte auf. Das praktisch wertvollste prognostische Zeichen wird uns jetzt auch wieder durch die Betrachtung des allgemeinen Ennährungszustandes geliefert. Dort, wo bei reichlicher
Mense, Handbuch der Tropenkrankkeiten. II. 3