Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Aplithae tropicae.

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Zusammenhang mit der Krankheit sehr fraglich. Maurer hat eine Penicillumart in den Fäces von Javanern und Chinesen an der Ostküste Sumatras angetroffen, welche an einer Krankheit litten, welche in einigen Hinsichten an Psilosis, in anderen an Beri- beri erinnerte und dort sehr verbreitet vorkam. Sowohl die Übereinstimmung jener Krankheit mit der von anderen Autoren beschriebenen Diarrhoea alba, als die ätiolo­gische Bedeutung des Penicillum erscheinen aber sehr zweifelhaft, so daß es hier ge­nügen möchte, auf die Arbeit aufmerksam gemacht zu haben. Knud Faber endlich fand in seinem hier erwähnten Fall eine Menge Diplokokken in kleinsten, in den Fäces vorhandenen Schleimflocken, wo sie mitunter fast in Reinkultur vorkamen. Im Dünndarm fanden sie sich bis hoch hinauf; sie zeigten sich als das einzige Bakterium, welches in näherer Verbindung mit der Schleimhaut war. In den Ulcerationen sah man sie in erheblichen Mengen an der Oberfläche und ein wenig in das Granulationsgewebe hinein, welches den Boden der Geschwüre bildete. Er läßt es unentschieden, ob sie ätiologische Bedeutung für die Entstehung der Krankheit haben oder nur Sapropliyten sind, die in dem kranken Darme besonders günstige Wachstumsverhältnisse gefunden hatten.

Fragen wir uns schließlich, ob die Verbreitungsweise der Krankheit etwa zugunsten einer Entstehung durch organisierte Krankheitserreger spreche, so dürfte die Antwort dahinlauten, daß dieselbe meistens sporadisch auftritt und keine Be­obachtungen von direkter Übertragung von Person auf Person publiziert worden sind. Ebensowenig wird das Befallenwerden mehrerer Mitglieder in einer Familie irgendwo in der Literatur erwähnt.

Eine Ausnahme macht dieHill-Diarrhoea, welche in 188G nach Cuombie iii Simla epidemisch auftrat und 5075% der Bevölkerung, meist innerhalb einer Woche, nacheinander ergriff. Doch dürfte die Übereinstimmung dieser Krankheit mitSprue nicht zu hoch angeschlagen werden, weil sie augenscheinlich keinen eminent chronischen Charakter trägt und nur ausnahmsweise in letztere übergeht, weshalb Manson ihr auch ein besonderes Kapitel in seinem Handbuch widmete.

Weder die auseinander gehenden Resultate der bakteriologischen Untersuchungen, noch die Verbreitungsweise der Krankheit scheinen also bis jetzt für ihre Entstehung durch die Wirkung niederer Organismen zu sprechen. Das einzige, was zugunsten einer derartigen Entstehung verwertet werden dürfte, wäre die statistisch konstatierte Abnahme der Morbiditätszahl im Laufe der Zeit, welche jedoch mit der allmählichen Einführung besserer hygienischer Verhältnisse in den Tropen und der dadurch bewirkten geringeren Morbidität auch für andere Krankheiten zusammenfällt.

Alles in allem dürfte also die Ursache der Aplithae tropicae als noch völlig im Dunkeln liegend betrachtet werden.

Symptomatologie.

Allgemeines Krankheitsbild.

Ebenso wie bei anderen chronischen Krankheiten ist es auch bei den Aplithae tropicae gewöhnlich nicht möglich, die Art ihrer Entwicklung im Anfangsstadium mit Sicherheit zu bestimmen.

In der Regel wird die Krankheit erst diagnostiziert, wenn die A T erdauungs- störungen oder die Erscheinungen seitens der Mundhöhle bereits in typischer Weise vorhanden sind. Für den Aufbau des Krankheitsbildes im Frühstadium ist man deshalb hauptsächlich auf die vom Kranken selbst mitgeteilten anamnestischen Daten angewiesen, und selbstverständlich wird es öfters nicht mehr möglich sein festzustellen, ob etwa vorhergegangene krankhafte Erscheinungen wirklich in ursäch­lichem Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Leiden gestanden oder lediglich eine