Part 
Bd. 3 (1906)
Place and Date of Creation
Page
786
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

786

Prof. I)r. Filippo Rho.

Bett verlassen und muß sorgfältig bewacht werden, auch Selbstmordversuche kommen dabei vor, manchmal wird sogar die Anlegung der Zwangsjacke nötig.

Pathologische Anatomie.

Die Obduktion ergibt folgendes: Herzmuskel schlaff, von gelblicher Farbe (in einem Falle beginnende serofibrinöse Perikarditis), bedeutende frische Milzschwellung, Erweichung der Milzpulpa so stark, daß die Herausnahme des Organs schwierig ist, deutliche fettige Degeneration der Leber, Schwellung und Erweichung der Nieren mit trüber Schwellung des Tubularepithels.

Diese degenerativen Veränderungen sprechen dafür, daß es sich um eine kein Organ verschonende Allgemeininfektion handelt. Trotzdem werden die auffälligsten Veränderungen unter dem Bilde einer akuten lobulären Pneumonie in den Lungen angetroffen.

Von Mikroorganismen werden sowohl in den Ausscheidungen während des Lebens wie in den Lungen nach dem Tode nur zahlreiche Diplo- und Streptokokken, niemals dem NocAiubschen ähnliche Bazillen gefunden.

Wir wissen, daß die Ätiologie der Pneumonie keine einheitliche ist. daß verschie­dene pathogene Keime eine Erkrankung, welche unter dem klinischen und anatomischen Bilde der klassischen und alltäglichen Lungenentzündung verläuft, hervorrufen können.

Der gewöhnlichste Erreger ist der EpAENKELsche Pneumococcus oder Diplococcus lanceolatus, der Fried Länder sehe Kapselbazillus, der Bazillus der Influenza (Pfeiffer), Streptokokken und in einigen seltenen Fällen der Meningococcus, der Typhus- und Pest­bazillus. Andererseits sind verschiedene Infektionskrankheiten wie der Abdominaltyphus, die Ruhr, die Malaria nun nicht selten von Lungenkomplikationen begleitet, welche vor­wiegend einen Befund von Diplo- und Streptokokken liefern.

Diese Begleiterscheinung einer Diplo- und Streptokokken-Pneumonie tritt fast kon­stant und frühzeitig bei der Psittacosis auf, während die Krankheit selbst eine spezifische Allgemeininfektion ist.

Die durch den NoCARDsclien Bazillus bewirkte primäre Allgemeininfektion bereitet also der Kokkeninfektion in den Lungen den Boden vor. Durch diese Symbiose werden die Toxine dieser verschiedenen Mikroorganismen wirksamer und für den Organismus wird das Zusammenwirken der verschiedenen giftigen Stoffe noch gefährlicher, wodurch sich die hohe Sterblichkeit erklärt.

Die Fähigkeit, eine Infektion zu verstärken, zeigt am deutlichsten der Typhus­bazillus, welcher dem Bazillus Nocard biologisch, morphologisch und pathogen nahesteht.

Wir wissen aus der Klinik, daß diese Erkrankungen der Atmungsorgane ver­hältnismäßig harmlos sind, wenn sie nur durch eine sogenannteErkältung geschädigte Gewebe betreffen, während sie schwer und oft tödlich verlaufen, wenn sie dort mit einer Influenza-, Erysipel- oder Typhusinfektion usw. Zusammenfällen.

Bei der Psittacosis wird die Schwere der Kokkeninfektion der Lungen dadurch gesteigert, daß der Organismus durch den spezifischen Erreger bereits geschwächt ist.

Prognose.

Von den milden unkomplizierten Formen abgesehen ist die Vorhersage des Ausgangs bei Psittacosis stets unsicher und nur unter Vorbehalt möglich. Die aus den verschiedenen Epidemien berechnete mittlere Sterblichkeit beläuft sich auf etwa 35%. Vorgeschrittenes Alter, besonders Greisenalter, nervöse Schwächezustände, dauernde organische Abänderungen, welche die Widerstandsfähigkeit des Körpers herabsetzen, wie Herzkrankheiten, chronische Nephritis, Fettleibigkeit, ausgesprochene harnsaure Diathese, Diabetes sind die wichtigsten einen ungünstigen Ausgang be­günstigenden Momente.