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Prof. Dr. Filippo Rho.
Die Beschränkung der Epidemie auf den Familienkreis führte die durch die hohe Sterblichkeit überraschten Beobachter bald zur Erkenntnis der Ätiologie der Krankheit, woraus sich die nötigen prophylaktischen Maßregeln für die Betroffenen und besonders für die an der jetzt verbotenen Masseneinfuhr dieser Vögel beteiligten Schiffahrtslinien von selbst ergaben.
Die Zahl der Erkrankungen an Psittacosis hat sich dementsprechend in den letzten Jahren bedeutend vermindert.
Ätiologie.
Autoinfektion der Papageien. Ergriffen werden Papageien amerikanischer Herkunft und vorzugsweise neuimportierte und die jüngsten, welche noch unter der Nachwirkung der mangelhaften Pflege, schlechten Nahrung und des Raum- und Luftmaugels während des Transportes zu leiden haben.
Das erkrankte Tier zeigt acht bis zehn Tage lang anhaltende Schlafsucht, bewegt sich nicht, frißt nicht, magert stark ab und leidet an fortwährenden Durchfällen, sträubt die Federn und läßt die Flügel hängen. Das ganze Bild ist das eines Darmkatarrhs mit chronischem Verlaufe.
Bakteriologie. Während der ersten Pariser Epidemie im Jahre 1892 züchteten Gaston und Netter aus den diarrhoischen Entleerungen und von den Flügeln der erkrankten Tiere Bazillen und Diplokokken, welche auf Ratten überimpft eine rasch verlaufende tödliche Septizämie hervorriefen. In der folgenden Epidemie von 1893 fand Nocarii den wirklichen Krankheitserreger der Psittacosis, welcher jetzt seinen Namen trägt, im Safte des Knochenmarks der kranken Papageien. Es ist ein kurzer, dicker Bazillus mit abgerundeten Enden, fakultativ anaerob, durch seine 10—11 Geißeln äußerst beweglich, welcher auf den meisten gewöhnlichen Nährböden rasch wächst, auf karbolsäurehaltigen Nährböden ebenfalls, wenn diese neutral oder schwach alkalisch reagieren. Er verflüssigt die Gelatine nicht, färbt sich leicht, jedoch nicht nach Gram. Durch die Zahl seiner Geißeln und andere Kennzeichen unterscheidet sich dieser Bazillus vom Kolibazillus und steht hierdurch dem Bazillus von Eberth nahe, welchem er auch darin gleicht, daß er Laktose nicht zur Gärung bringt, die Farbe von Lackmus-Laktose-Gelose nicht verändert, Milch nicht zur Gerinnung bringt und kein Indol erzeugt.
Andererseits zeigt er dasselbe üppige Wachstum auf Gelatine und Kartoffel wie der Kolibazillus, wächst, wenn auch schwach, auf alten, vorher abgeschabten Kulturen des EnERTirschen, aber nicht des Kolibazillus. Auch gedeiht er, im Gegensatz zum EBERTirsclien Bazillus mit Ivolibazillen in Bouillon in demselben Röhrchen.
Durch alle diese Eigenschaften steht der Erreger der Psittacosis in der Mitte zwischen dem Kolibazillus und dem Bazillus Eberth, unterscheidet sich aber von beiden durch seine hohe Virulenz gegenüber Papageien, welche zehn bis zwölf Stunden nach einer subkutanen Injektion eines Tropfens einer Bouillonkultur zugrunde gehen. Ebenso empfindlich sind Tauben, Ratten, Mäuse und Kaninchen, weniger Meerschweinchen, noch weniger Hunde. Experimentelle Einführung unter die Haut, in die Luftröhre oder in eine Vene führt bei den Versuchstieren in weniger als achtundvierzig Stunden zum Tode durch allgemeine Septizämie mit den charakteristischen kongestiven Häraorrhagien, Schwellung und Erweichung von Leber, Milz und Nieren, wobei die Bazillen in diesen Organen in Reinkultur angetroffen werden. Der Krankheitserreger findet sich auch im Blute, jedoch in verschwindend kleiner Menge. Trotzdem gelingt auch die künstliche Infektion mit dem Blute.
Der Nahrung zugesetzt äußert der Bazillus seine Wirkung weniger konstant und schnell. Auch eine auf diesem Wege hervorgerufene Erkrankung kann in 2—3 Tagen zum Tode führen, meistens aber verenden die Versuchstiere, besonders Papageien, erst