Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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745
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Tropische und subtropische Viehseuchen.

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In Deutschland und der Schweiz: Weiderot, Stallrot, Waldkrankheit, enzootisclies Blutharnen, Aurot, Feldrot, Holzkrankheit, Maienseuche, Maiensperre, gelbes Fieber, Rot, Rotharnen, Sommerrot, Weideseuche, Rotnetzen u. a.

In Frankreich: Mal de bois, mal de brou.

In den englischen Kolonien: Red water.

In Italien: Piscia sangue.

In Norwegen: Rödsygde.

In Nordamerika: Texasfever, cattle plague, spanish fever, yellow fever/ In Argentinien: Tristeza (Ligni^res).

In Venezuela: Lomadera (Ziemann).

In Uruguay: Ranilla (Garasqüarilla).

In Afrika: Redwater, rooi water, blood ziekte, Ferulose (Bojoly), Pipa, Kiwoe.

Geschichte und Verbreitung.

In Deutschland war die Krankheit schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, doch hat sie hier wegen der weit vorgeschrittenen Kultur an Bedeutung sehr verloren. Anders in Ländern mit extensiver Weidewirtschaft: sie hat nament­lich in den unermeßlichen Weidegebieten der tropischen und subtropischen Gegenden eine immense Verbreitung erlangt. So tauchte in Amerika eine Krankheit auf, die durch das Treiben der Texasrinder verbreitet wurde. Man sah diese Krankheit als eine ganz neue, unbekannte an und nannte sie Texasfieber; ein Name, der sich späterhin über die ganze Welt verbreitete. Auch in Deutschland hielt man das Texasfieber noch lange Zeit für eine neue Krankheit, bis Babes im Jahre 1889 auf die Ähnlichkeit derselben mit der seuchenhaften Hämoglobinurie in den Sumpf­gegenden der unteren Donau, in Bulgarien, dem südwestlichen Rußland und in Ungarn hinwies. Diesem Forscher gelang es auch, in dem Blute der erkrankten Rinder einen eigenartigen Parasiten (Hämatokokkus) nachzuweisen, nicht aber die Beziehungen desselben zu der Krankheit festzustellen. Durch denselben Befund beim Texasfieber in Amerika wiesen Smith und Kilborne die Identität beider Krankheiten nach, welche im Jahre 1892 auch von Babes anerkannt wurde.

Die beiden Amerikaner stellten über ihren Befund die umfangreichsten Unter­suchungen an, nannten den gefundenen tierischen Mikroorganismus Pyrosoma bige­minum , an Stelle welches Namens später Apiosoma bigeminum Wandollek vor­geschlagen, zuletzt die Bezeichnung Piroplasma bigeminum (Patton) gewählt wurde. Der von Babes in Rumänien alsHämatokokkus bezeichnete Blutschmarotzer erhielt durch Starcovici den Namen Babesia bovis. Auch Lüiie (vgl. S. 193) schließt sich letzterem an und nennt alle hier zu beschreibendenMalaria-Erkrankungen Babesiosen.

Als Überträger der Krankheit ermittelten gleichfalls Smith und Kilborne die beim Rinde aufzufindende Zecke.

Trotz der eingehendsten Untersuchungen ist von der Gattung Babesia nur die Schizogonie bekannt. (Näheres siehe bei Lühe.)

Seit den Veröffentlichungen durch Smitii, Kilborne und Babes sind in den verschiedensten tropischen und subtropischen Gegenden malariaartige Erkrankungen unter den Rindern, Schafen, Pferden und Hunden beobachtet und beschrieben worden. So berichten über das Vorkommen der Rindermalaria Krogius und von Hellens in Finnland; Bastiani, Celli, Santori, Nosotti, Guglielmi, Padovani, Peroucito in Italien; Betegh in Rumänien; Katschinski und Popow in Ruß­land; Nicolle und Adil Bey in der Türkei; Jackschath in Deutschland; desgl. Ziemann, Nevermann; Koch in Ostafrika; Turner, Kolle und Theiler in Süd-