Rückfallfieber.
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Über ihre Pathogenität beim Rinde ist nichts Bestimmtes auszusagen, da sie mit Tiroplasma bigeminum und Trypanosoma theileri zusammen Vorkommen. Ein solches gleichzeitiges Vorkommen beim selben Tier beweist nichts für einen genetischen Zusammenhang beider Formen.
Die Übertragung erfolgt bei Spir. theileri durch Rhipicephalus decoloratus; infizierte Zecken dieser Art aus Südafrika brachten bei einem Rind, an welches sie in Frankreich angesetzt wurden, die Spirochäten in dessen Blut zur Entwicklung.
Koch hat offenbar die gleiche Spirochäte auch in Ostafrika gesehen.
Über Spirochaeta pertenuis Castellani s. Lüiie ’s Artikel S. 190.
Spirochäten hei Fledermäusen.
Nicolle und Comte haben in Tunis bei Fledermäusen (Vespertilio kuhni) eine Spirochäte im Blute gefunden, welche 12—18 « lang ist, sehr fein ausgezogene Enden besitzt und sich cpier teilt, wobei die beiden Teilstücke eine Zeitlang mit den Enden verbunden bleiben. — Zwei Fledermäuse, mit spirochätenhaltigem Blute infiziert, gingen nach 7 Tagen mit zahlreichen Parasiten im Blute zugrunde.
Die beiden Autoren erwähnen, daß die „Spirillose aviaire“ auch in Tunis vorkomme. (Sp. anserina? gallinariunV).
Spirochaeta anodontae Keysselitz.
Im Magen von Anodonta mutabilis Cless. , unserer Teichmuschel, und zwar sowohl im Kristallstiel, als auch in den Magenepithelzellen, findet sieh eine sehr große Spirochäte (Maße?) mit einer undulierenden Membran, die manchmal sehr weit vorspringt, oft auch dem Körper dicht anliegt. Die Kernsubstanz ist in verschiedenen Gruppen von Körnchen angeordnet oder auch an einer Stelle in der Mitte des Körpers vereinigt. Die von Keysselitz gegebenen Figuren, welche die Längsteilung beweisen sollen, können auch als zusammengeklappte Spirochäten angesehen werden.
Im Bezug auf die
systematische Stellung der Spirochäten
ist noch eine ganze Reihe von Fragen zu lösen.
Was zuerst die Benennung anlangt, so hat Ehrenberg die Gattung „ Spirillum “ von der Gattung „ Spirochaeta “ daran unterschieden, daß die erstgenannte „starr“, die zweite „biegsam“ sei, und hat als Typus für „ Spirochaeta “ die Sp. plicatilis aufgestellt. Nun besitzt aber nach Sciiaudinn gerade diese Art eine stark entwickelte undulierende Membran und keine Geißeln, dagegen einen in einen vegetativen und einen lokomotorischen Teil getrennten Kernapparat. Als „S pirochaeten u werden demnach nur diejenigen Organismen bezeichnet werden dürfen, die in diesen morphologischen Charakteren mit dem Typus übereinstimmen. Alle übrigen werden in eine neu zu benennende Art zusammengefaßt werden müssen.
Eine weitere Frage ist die, ob die Spirochäten Protozoen oder Bakterien sind. Für ihre Protozoennatur spricht eine Reihe von Analogien. Das Rückfallfieber hat seinen Namen von den charakteristischen Rezidiven erhalten; einen solchen rezidivierenden Typus aber finden wir bisher nur bei Krankheiten, deren Erreger Protozoen sind (Malaria, Nagana, Schlafkrankheit). Die Bildung von spezifischen Immunkörpern ist u. a. bei Piroplasmosen beobachtet, also nichts den Bakterien Eigentümliches. Ein wichtiges biologisches Argument ist ferner die Übertragung der Spiro-