Kückfallfieber.
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Ursachen der Verminderung der Spirochäten vor der Krisis sind vorwiegend mit Gänsespirochäten angestellt worden (s. o.).
Der Überträger der Gänsespirillose ist noch nicht bekannt.
Spirochaeta gallinarum.
Auf eine Arbeit von Marchoux und Salimbeni gründet sich unsere Kenntnis über eine Spirochäten krank heit der Hühner, welche in der Umgebung von Rio de Janeiro herrscht und dort die befallenen Ztichtereien manchmal geradezu vernichtet. Über die Verbreitung der Krankheit sind keine Angaben gemacht. Die akute Form der Krankheit setzt nach 4—6 tägiger Inkubation mit Durchfall ein, gleichzeitig steigt die Temperatur auf 42—43°, bleibt 4—5 Tage hoch, um entweder kurz vor dem Tode unter die Norm zu sinken oder, im Falle der Heilung, nach kurzer Hypothermie zur Norm zurückzukehren. Das kranke Tier ist äußerst matt, nimmt kein Futter, magert stark ab, der Kamm ist blaß; der Tod tritt plötzlich unter spastischen Krämpfen ein. Heilungen kommen vor, sind aber offenbar sehr selten. Die Autopsie ergibt: Milz bis aufs dreifache vergrößert; Leber gleichfalls vergrößert, mehr oder weniger fettig degeneriert; sonst nichts Charakteristisches. Hei der chronischen Form schließt sich an den kritischen Umschwung eine kurze Besserung, bald aber folgt Paralyse erst der hinteren, dann der vorderen Extremitäten, fortschreitende Kachexie und nach etwa 8—15 tägiger Krankheit der Tod. Auch bei experimenteller Hervorrufung der Krankheit kann die akute Form, welche sich nicht wesentlich von der spontan entstandenen unterscheidet, in die chronische mit typischer Kachexie und Paralysen übergehen. In solchen Fällen findet man dann hochgradige Atrophie aller Organe, auch der Milz und Leber.
Die Erreger sind Spirochäten von starrer Form, die in korkzieherartiger Bewegung schnell dahingleiten. Borell und Zettno w haben an ihnen end- und seitenständige Geißeln dargestellt.
Demgegenüber beschreibt von Prowazek die bandförmige Gestalt der Spirochäten und eine undulierende Membran, die er namentlich nach Maceration durch 33% Alkohol mit 10% Acid. carbol. gut färben konnte (nach Giemsa); die Kernsubstanzen sind im Körper der Spirochäte verteilt (nach Art von Chromidien). Auf Grund seiner Versuche über das Verhalten in 5—10%iger Kochsalzlösung (keine ,,Plasmolyse“), destilliertem Wasser (keine „Plasmoptyse“ Fischers) und verdünnter Kalilauge (Lösung), auf Grund der Beobachtungen von Längsteilung im frischen Präparat, endlich ihrer Einwanderung in rote Blutkörperchen, stellt v. Prowazek die Spirochaeta gallinarum zu den Protozoen und zwar nahe zu den Trypanosomen.
Die Maximalzahl der Parasiten findet sich beim Eintritt der Krisis; zu dieser Zeit kann man an ihnen Krümmungen und Knickbewegungen, ähnlich wie bei einer Peitschen sehn ur beobachten ; nach der Krisis verschwinden sie für immer aus dem Blute. 24 11 nach der Injektion findet man sie einzeln, später agglomerieren sie zu dichten und oft umfangreichen Knäueln, in denen sie dann dicht verfilzt liegen. — Für die künstliche Infektion sind empfänglich Gänse, Enten, Turteltauben und Sperlinge, Tauben dagegen refraktär, ebenso Affen und der Mensch. Durch Bisse von infizierten Argas gelang es die Krankheit auf die empfänglichen Arten und außerdem auch auf Tauben zu übertragen. Küken überstehen die Krankheit leichter als erwachsene Tiere, aber auch unter diesen finden sich einzelne mehr oder weniger immune Exemplare.
Spontan geheilte Tiere sind immun. Diese Immunität ist schon zur Zeit der