Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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Dr. C. Mense.

in keinem konstanten Zusammenhang mit den nervösen Störungen der Temperatur­bewegung oder dem Befunde an Trypanosomen.

Letztere sind meistens nur in geringer Menge vorhanden und können erst durch Centrifugieren nachgewiesen werden (s. S. 649). Ihr Vorkommen ist in ge­trübter Cerebrospinalflüssigkeit wahrscheinlicher als in klarer. Massenhaftes Auf­treten dieser Parasiten fällt allerdings meistens mit Fieber zusammen. Im übrigen kommen und gehen die Parasiten, ohne daß ihr Auftreten im Blute davon erkennbar beeinflußt wird.

Diplostreptokokken werden in der Cerebrospinalflüssigkeit häufig ge­funden und sind entweder durch mikroskopische oder bakteriologische Untersuchung nachweisbar. Die portugiesische Kommission fand sie in 52 % aller Lumbal­punktionen, spätere Untersucher weniger häufig, oft nie.

Eitrig erscheint die Flüssigkeit mir in Fällen von septischer Meningitis. Blut­beimengung rührt von Verletzung der Rückenmarkshaut, des periduralen Venen­plexus her oder kommt aus den beim Vordringen der Nadel durchstochenen Geweben.

Das chemische Verhalten der Cerehrospinalfliissigkeit der Kranken ist noch nicht untersucht worden.

Behandlung.

Wie bei allen Krankheiten, denen die medizinische Wissenschaft noch macht­los gegenüber steht, ist auch bei der Schlafkrankheit die Zahl der angewandten Medikamente und Heilverfahren zahllos. Fast alle in irgend einer Richtung hin wirksamen Arzneimittel sind zur Anwendung gelangt, vielen sind vorübergehende Besserungen und scheinbare Heilungen zugeschrieben worden, aber bis jetzt ist ein wirklicher Erfolg ausgeblieben.

Die Mittel, welche die Eingeborenen gegen die Krankheit zur Anwendung bringen, sind größtenteils Dekokte der verschiedensten Pflanzen, welche höchstens einige Symptome zu beeinflussen vermögen.

In einigen Gegenden, wie in Portugiesisch-Guinea, werden von den einge­borenen Medizinmännern die geschwollenen Lymphdrüsen im Nacken operativ ent­fernt. Der angeblich gute Erfolg könnte selbstverständlich nur dann auf den chirurgischen Eingriff zurückzuführen sein, wenn die durch die benachbarte Haut, eingedrungenen Krankheitserreger von dem betreffenden Drüsenpakete aufgehalten worden wären. Wahrscheinlicher jedoch ist es, daß in den meisten Fällen die An­gaben über die Exstirpation der Lymphdrüsen mißverstanden sind und ihnen nur die allgemein üblichen oberflächlichen Einschnitte in die Haut, Blutentziehungen durch Skarilikationen und improvisierte Schröpfköpfe zugrunde hegen.

Die Organtherapie mit Hodenflüssigkeit von Schafböcken sei als historische Erinnerung verzeichnet. In einem von Novaks 1901 als dadurch geheilt bezeichnetem Falle stand die Diagnose keineswegs zweifellos fest und über das weitere Schicksal der Kranken ist nichts bekannt geworden.

Biiiquet und später Loiiaxd empfehlen auf Grund der unbewiesenen Hypo­these, daß bei der Schlafkrankheit die Schilddrüse degeneriert sei, und wegen der Ähnlichkeit mancher Symptome mit denen des Myxödems Thyreoidin-Behandlung.

Das Antistreptokokkenserum von Maumorek bewirkte nach den Beobachtungen der portugiesischen Kommission keine oder nur ganz vorübergehende Besserung. Auch das Serum von Eseln, welche mit dem Hypnococeus geimpft