Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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VV. B. Letshman.

Stadium, sie verschlechtern sich im zweiten bedeutend, während im dritten oder kachektischen Stadium der tödliche Ausgang so gut wie unabwendbar ist.

Als ein böses Omen gelten besonders das Eintreten von Ruhr oder Durch­fällen oder schweren Blutungen. Auch ist es als ungünstiges Vorzeichen anzusehen, wenn die Milzpunktion einen außergewöhnlich reichen Gehalt des Blutes an Para­siten ergibt.

Günstig ist es, wenn das Fieber längere Zeit aussetzt, Komplikationen fehlen und die Anämie nur einen mäßigen Grad erreicht. Den besten Anhaltspunkt für die Prognose liefert der Blutbefund.

Wenn die Zahl der Leukocyten im Blute unter 2000 pr. Kubikmillimeter sinkt, so ist der Krankheitsprozeß im raschen Yorschreiten begriffen und die Aus­sicht auf Genesung gering. Steigt dagegen die Zahl der Leukocyten über diese Zahl und wächst sie allmählich nach der normalen Ziffer hin an, so ist Heilung oder Besserung wahrscheinlich (Rogers). Die Verminderung der weißen Blutkörperchen ist, wie schon gesagt, hauptsächlich bedingt durch die starke Abnahme der poly­nukleären, wobei der Prozentsatz der Lymphocyteu, besonders der großen mononu­kleären Zellen verhältnismäßig steigt.

Die polynukleären sinken in einzelnen Fällen auf den außerordentlichen Satz von 62 auf den Kubikmillimeter. Unter den von Rogers beobachteten Fällen zeigten nur die eine Neigung zum Stillstand der Krankheit oder zur Besserung, bei welchen die Zahl der polynukleären Zellen 2000 pro Kubikmillimeter überschritt. Sollten sich diese Angaben bestätigen, so wäre in der Leukocytenzählnng nicht nur ein höchst wichtiges prognostisches Hilfsmittel gewonnen, sondern darin auch ein Weg gefunden, den Verlauf der Krankheit zu beurteilen und die Wirksamkeit der verschiedenen therapeutischen Maßnahmen zu prüfen.

Behandlung.

Bislang hat die Therapie bei Kala Äzar nur unbedeutende Erfolge erzielt. Wenn wir auch von den Fortschritten unserer Kenntnisse über die Pathologie und Ätiologie bessere Erfolge erhöhen dürfen, so ist bis jetzt noch keine befriedigende Methode bekannt, dnrcli welche wir dem Vorschreiten der mörderischen Krankheit Halt gebieten könnten. Früher ergab sich die Behandlung aus den herrschenden Anschauungen, daß der Krankheitserreger Aneylostomum duodenale, Plasmodium malariae oder Micrococeus metitensis sei. Abgesehen vielleicht von Chinin, hat keine auf dieser Annahme beruhende Medikation irgend welche Dienste bei der epi­demischen Form geleistet. Und die Erfolglosigkeit jeder Behandlung bei der ende­mischen, früher alsMalariakachexie,nicht malarisches remittierendes Fieber be- zeichneten Form ist jedem mit dieser Tropenkrankheit vertrauten Beobachter be­kannt. Zurzeit stimmen die Beobachter darin überein, daß eine möglichst frühzeitige Behandlung im ersten Stadium die beste, ja vielleicht die einzige Aussicht auf Erfolg bietet. Später, besonders nach Entwicklung der schweren Kachexie des dritten Stadiums scheint, jede Therapie nutzlos zu sein, und wenn auch der Anwendung gewisser Medikamente eine vorübergehende Besserung folgt, so eilt doch die Krank­heit unaufhaltsam dem durch das Allgemeinleiden oder eine der genannten Komplika­tionen herbeigeführten tödlichen Ausgange zu.

Da jedoch auch in schweren Fällen spontane Heilung zweifellos erfolgt ist, so kann möglicherweise ein sorgfältiges Studium solcher Fälle ein besseres Resultat ergeben.

Auch in den Fällen aus dem Frühstadium, wo man durch eine besondere Behand­lung Erfolge erzielt haben will, bleiben Zweifel bestehen, ob es sich wirklich um eine