Das Schwarzwasserfieber.
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Tief zitronengelbe Leiche. Starker Ikterus des Unterhautzellgewebes. Bei Durchschneiden der Haut ziemlich reichliches, dunkles, flüssiges Blut. Ikterus der inneren Organe.
Auf dem Herzbeutel gelblich verfärbtes Fett. Im Herzbeutel ein gewisses (Quantum gelber sex-öser Flüssigkeit. Herz meist vergrößert und dilatiert. In Kammern und Vorkammern dunkelrotes, flüssiges Blut mit Speckgerinnseln. Klappen gelblich verfärbt.
Lungen nicht kollabiert. Zwischen den Lungenlappen oft eine gelbliche, gallertige Masse. Lungen zuweilen durch fibrinöse Auflagerungen mit der Pleura costalis verklebt. Lungen ziemlich blutreich. Oft beginnendes Lungenödem.
Milz stark vergrößert, von derber Konsistenz (bei gleichzeitiger akuter Malaria weich), sehr pigmentreich. Malpighi’sche Körper sehr deutlich.
Nieren oft sehr blutreich, aber durchaus nicht immer vergrößert (wenigstens nicht in meinen Fällen). Kapsel meist gut abzuzieben. (Nephritis interstitialis incip. meist nur bei länger dauernder Anurie.) Auf dem Durchschnitt Nieren hyperämisch, oder nach länger dauernder Krankheit blaß, fast immer deutlich getrübt.
In den Pyramiden, besonders in der Nähe der Papillen, zeigt sich schon makroskopisch eine feine, schwarzbraune Streifung, welche den von Hämoglobinschollen und Zylindern erfüllten geraden Harnkanälchen entspricht.
Leber etwas vergrößert, hart. Gallenblase strotzend erfüllt von grüner, oft dickflüssiger Galle. Leber auf dem Durchschnitt von schmutzig-gelbgrüner bzw. gelbbrauner (Schokoladen-) Farbe, von gekörntem Aussehen, letzteres infolge Einsinkens des verfetteten Zentrums der Acini). Messer beim Durchschneiden zuweilen knirschend. Pfortader strotzend mit Blut gefüllt, Gallenkapillaren deutlich als grünliche, feinste Stränge wahrnehmbar.
Darm: Im Jejunum und Ileum zuweilen Hyperämie in wechselndem Grade.
Magen: Mucosa oft mit reichlichem grüngelben Schleim bedeckt. Gastritis paren- chymatosa haemorrhagica recens.
Knochenmark: gelblich, gallertig, manchmal halbflüssig, in 2 meiner Fälle in eine dicke, ölige Flüssigkeit verwandelt. Daher die völlige Unmöglichkeit einer Blutregeneration. In einem Falle sah ich im Knochenmark Bündel strahlenförmig angeordneter feiner Nadeln (Tyrosinkristalle!).
Gehirn: In den Blutleitern dunkelrotes, flüssiges Blut, Gefäße der Hirnoberfläche stark blutgefüllt. Dura mater meist leicht abzuziehen (Arachnitis haemorrhagica recens). Tela chorioidea mit kleinen, gelblichen, gallertigen Auflagerungen. In den Seitenventrikeln meist etwas seröse, gelbliche Flüssigkeit.
Mikroskopischer Befund.
Bezüglich der Veränderungen, die auf voraufgegangene Malaria zurückzuführen sind, sei auf Kapitel „Patholog. Anatomie“, S. 359 I. Halbband, verwiesen. Hier interessiert uns vor allem der Befund bei Leber und Nieren.
Leber: Wie schon früher erwähnt, können sich die Kapillarendothelien in Leber und Milz vergrößern, loslösen und Phagocyteneigenschaft gewinnen, indem sie Hämosiderin, Melanin und Parasitentrümmer aufnehmen. (Beti\ der chemischen Reaktion beider Pigmente vgl. ebenfalls S. 386 I. Halbband.)
Diese Kapillarendothelien können sich bei der Sektion im Lumen der Lebervenen bzw. der Lebei’kapillaren als spindelförmige oder mehr rundliche Zellen mit großem Kerne finden. Blutkapillaren oft dilatiert. Die Leberzellen selbst oft hochgradig verfettet, enthalten meist größere Mengen von Hämosiderin (leicht nachweisbar durch die Eisenreaktion, S. 388), aber nie Melanin. Diese fettige Degeneration kann zuweilen in bestimmten Bezirken der Leber besonders stark und schon makroskopisch nachweisbar auftreten. Nicht selten sieht man Übergänge von der Verfettung der Leberzellen in Nekrose.
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