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Bd. 3 (1906)
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Dr. Hans Ziemann.

Man hat auch, wie Boye, versucht, einen Unterschied aufzusteilen in der Schwere des Verlaufs von Schwarz Wasserfiebern, die ohne Chinin und durch Chinin­therapie entstanden seien.

Erstere Fälle sollten leichter und zum Teil ohne fieberhafte Reaktion ver­laufen. Das trifft als Regel absolut nicht zu (vgl. unter Prognose des Schwarz­wasserfiebers S. 581).

Ziemann sah auch bei Fällen ohne Chininätiologie zuweilen keine fieberhafte Reaktion. Allerdings handelte es sich dann stets nur um Urobilinurie. Andererseits können auch Fälle mit Chininätiologie einen ungünstigen Verlauf nehmen.

Verhalten des Blutes.

Der Blutzerfall ist in akuten Fällen ein ganz enormer, es können während 24 Stunden weit über 1 Million roter Blutkörper zerstört werden. Man hört dann oft systolisches Blasen über der Herzspitze.

Verf. sah einen Fall, wo bei einem jungen kräftigen Kaufmanne im Verlaufe von 2 Tagen die Zahl der roten Blutkörper von 4,310000 auf 1,110000, das Hämoglobin von 80 °/ 0 auf 20% herabsank. Der betreffende, früher ein Typus von Gesundheit, machte bereits am Abend des 2. Tages den Eindruck eines sterbenden Greises von 80 Jahren.

Ohne die oft schon am 2. Tage einsetzende Regeneration des Blutes, welche sich in dem Auftreten von Megalocyten und Normoblasten, polychromatophilen und basophilen roten Blutkörpern äußern kann, und ohne die relative Eindickung, welche das Blut durch das profuse Erbrechen und die starken Diarrhöen zeigt, würde die Zahl der roten Blutkörper noch geringer erscheinen.

In den Fällen, wo Malaria und Schwarzwasserfieber zusammen auftreten, zeigen sich auch, wie bei gewöhnlicher Malaria, die großen mononukleären Leukocyten relativ vermehrt. Aber auch die neutrophilen Leukocyten und die Blutplättchen sind meist vermeint.

Betr. Serum vgl. 1. c.

Die Alkaleszenz des Blutes wird in der Folge der Hämocytolyse herab­gesetzt, da nach Koiseiit infolge Ubergehens des Oxyhämoglobins in den gelösten Zustand Phosphorsäure und Glyzerinphosphorsäure frei werden.

Das spezifische Gewicht und der Hämoglobingehalt des Blutes sind anfangs trotz der sinkenden Zahl der roten Blutkörper relativ hoch, da noch eine Menge Substanz der zerstörten roten Blutkörper und damit auch Hämoglobin in der Blutflüssigkeit kreist.

Nach Eintritt der Rekonvaleszenz, wenn die Neubildung des Blutes beginnt, wird das spezifische Gewicht wieder niedriger, und das Verhältnis der roten Blutkörper zur Menge des Hämoglobins steigt wieder.

Zuweilen ist der Hämoglobingehalt mit dem FLEiscm/schen Hämometer überhaupt nicht festzustellen, da man in der Mischkammer nur eine trübe, braunrötliche Flüssig­keit erhält, welche infolge der Anwesenheit von Urobilin, Bilirubin (Methämoglobin) keinen Vergleich mit der Farbenskala des Glaskeils zuläßt.

Trotz der enormen Reduzierung des Hämoglobins (in einem Falle bis auf 12 bzw. 14%) kann die Atmung verlangsamt sein. In der Mehrzahl der Fälle tritt aber deutlicher Lufthunger infolge der Hämoglobinverarmung ein.

Betr. der spektroskopischen Untersuchung des Blutes vgl. S. 575.