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Bd. 3 (1906)
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Dr. Hans Ziemann.

sächlich beinahe 50°/ o der Hütten eines beinahe 15000 Seelen zählenden Dorfes mit Fenstern versehen wurden, so dal! Licht und Luft in die dunklen Hütten hineinströmt, die Feinde der Anophelinen. Bezüglich der Kinderernährung der Eingeborenen ist in den meisten unkultivierteren Tropengegenden noch fast alles zu reformieren. Das Voll­stopfen kleiner Kinder mit sinnlosen Massen von Vegetabilien dürfte disponierend wirken für die Malariainfektion wegen der Schwächung der Verdauungsorgane.

Dringend ist die Schaffung von Geburts- und Sterbelisten in jedem Malariaorte, auch für die Eingeborenen, zu fordern, da nur auf diese Weise ein Überblick über die Notwendigkeit und den Erfolg sanitärer Maßnahmen gegen die Malaria etc. ge­wonnen werden kann.

In manchen Malarialändern ist die Bevölkerung so stupide, daß sie durch sanften Druck selber zur Ausführung der hygienisch erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Malaria geführt werden muß. In der sogenannten hygienischen Erschließung der Tropen steht auch den Missionen ein schönes Feld der Tätigkeit noch offen durch allmähliche systematische hygienische Erziehung der Eingeborenen.

Wichtig ist es, um dies zum Schluß noch einmal aufs schärfste zu betonen, bei Aufstellung eines Planes zur Assanierung sich nicht von vornherein auf eine bestimmte Methode festzulegen, sondern erst nach genauem Studium der bestehenden örtlichen, oft so verschiedenen Verhältnisse, und, wenn möglich, eine Kombination aller der erwähnten Methoden zu wählen. Vergessen wir nicht,die Prophy­laxe der Malaria ist fast gleichbedeutend mit der Hygiene der Trope n.

Persönliche Prophylaxe.

Kann es sich aus äußeren Gründen nicht sowohl um die Bekämpfung der Malaria im großen handeln, und hat sich nur der einzelne Europäer gegen Malaria zu schützen, so ergibt sich aus dem Vorhergehenden sein Verhalten ganz von selbst. Wer nur vorübergehend sich in Gegenden mit schwerer Malaria begibt, wird

1. Chinin prophylaktisch nehmen nach einer der erwähnten Methoden,

2. nicht in oder in der Nähe von Eingeborenenhütten übernachten, überhaupt eine möglichste Trennung von den Eingeborenen erstreben,

3. einen intensiven Schutz gegen die Moskitos erzielen, besonders durch ständige Mitnahme eines sorgfältig instand gehaltenen und praktisch brauchbar gehaltenen Moskitonetzes,

4. durch Massigkeit, Schutz gegen Sonne und Regen und sonstiges vernünftiges Verhalten seine Widerstandskraft gegen die Malaria nicht schwächen.

Wenn Schiffe mit europäischer Besatzung in der Nähe von malariaverseuchten Ortschaften ruhen, ist dringend der Moskitoschutz sämtlicher Mannschaften durch Gaze oder Drahtgaze verschloß der Bulleis zu fordern und im Schiff durch möglichst ausgiebige Benutzung elektrischer Wiudfächer und Ventilatoren für genügende Luft­zirkulation zu sorgen. Die Nachts auf Wache befindlichen Mannschaften, wie Steuer­mannspersonal, Posten, müssen durch Handschuhe und Gazeschleier geschützt werden, das Schlafen ohne Moskitonetze auf Oberdeck in der Nacht verboten werden, falls Eingeborenenhäuser in der Nähe. Vgl. Fig. 53 und Fig. 54 aus der fleißigen Arbeit R. Pöchs.

Der geradezu sträfliche Leichtsinn der jungen Seeleute der Handelsmarine, welche mit dünnen leichten Leinenmützen sich den glühenden Strahlen der tropischen Sonne aussetzen, ist aufs energischste zu bekämpfen, ein prophylaktischer Chiningenuß der Mann­schaften dringend zu empfehlen.