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Dr. Dans Ziemann.
Alle solche Einreibungen, auch mit der sogenannten Langheldschen Salbe usw., können in Gegenden mit intensiver Moskitoplage höchstens momentan einen Erfolg haben. Sie können daher speziell nur für Reisende, welche Gegenden mit starker Moskitoplage flüchtig berühren, in Frage kommen. Jede systematische längere Anwendung ist nach dem bisherigen Stande der Kenntnisse unmöglich.
Mautin will bei den Tamils als bei starken Curryessern ebenfalls ein relatives Yerschontsein der Malaria gegenüber beobachtet haben, von Bassewitz erklärt die Wirkung damit, daß der überreiche Genuß dieses Gewürzes sich durch eine Geruchsveränderung der Hautperspiration kund gibt, die ihrerseits abstoßend auf Stechmücken einzuwirken vermag. Curry ist bekanntlich ein Gemenge von Koriander, Kardamom, Curcuma, Ingwer, Senf, weißem und spanischem Pfeffer usw. von Bassewitz führt auch die Beobachtung von Mattei und Fontana an, wonach der Genuß eines Zitronendekoktes mit ungefähr 10% Glyzerinzusatz, von dem Erwachsene einen, Kinder sinen halben Kaffelöffel morgens nüchtern mit AVasser bekommen, prophylaktisch wirken soll. Die Aloskitos sollen durch den eigentümlichen, keineswegs unangenehmen Geruch, den die Haut dabei annimmt, verscheucht werden.
Nach von Düring (Deutsch, med. Wochenschrift 1902 p. 418) soll ein alkoholischer Auszug aus Meerrettigvvurzeln (Armoracia rusticana) gegen Malaria schützen. Ich selbst habe unter meinen Fieberkranken in Italien häufig genug solche getroffen mit einem Säckchen Knoblauch auf der bloßen Brust, das sie angeblich immer getragen hatten. Trotz des für Xordeuropäer unerträglichen Knoblauchduftes hatten die Anopheles jene doch infiziert. Fermi fand Knoblauch ebenfalls unwirksam.
v. Bassewitz schlägt vor, Kaliumtellurat, welches einen 4—8 Wochen dauernden, auf 1 m Entfernung sich bemerkbar machenden Knoblauchgeruch absondert, in Dosen von 0,01—0,05 zu nehmen. Es wird Geschmacksache des einzelnen sein, welcher sich vorübergehend in abnorm gefährlichen Gegenden aufhält, ob er dieses Mittel gebrauchen wird. Ich glaube, nur wenige dürften bereit sein, sich dieser Prozedur zu unterziehen.
5. Soziale Prophylaxe.
AVir werden hierbei auch einige tropenhygienische Punkte zu erörtern haben, die, wenn sie auch keinen direkten Zusammenhang mit der Malaria haben, so doch einen weitgehenden indirekten und daher in keinem modernen Lehrbuch der Tropenkrankheiten fehlen dürfen. In allen Malarialändern sind die armen Klassen der Bevölkerung bei weitem am meisten von der Malaria betroffen.
AVährend in den Marschen Budjadingens in Xorddeutschland die reichen Landwirte in ihren neuen, dem Licht und der Luft zugänglichen Gehöften an Malaria neuerdings fast gar nicht mehr leiden, ist die Arbeiterbevülkerung nach meinen Untersuchungen in ihren dumpfen, zum Teil der Hygiene geradezu hohnsprechenden AVohnungen noch sehr heimgesucht. Das soziale Elend ist ein ziemlich großes. Die Leute schlafen in Kojen, die in die A\ and des Wohnzimmers eingebaut sind und außerdem noch durch Gardinen von der Luftzirkulation abgeschlossen sind. Es können dort wahre Brutstätten der Malaria entstehen. Diese Unsitte müßte direkt polizeilich verboten werden.
In Italien fand ich 1897 die A erhältnisse noch unendlich viel schlimmer.
Auch in den Tropen sind erfahrungsgemäß diejenigen Europäer am meisten und schwersten betroffen, deren soziale Lebenshaltung die schlechteste ist, und es sind auch diejenigen Malarialänder am meisten heimgesucht, die in der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben sind. Alan vergleiche die blühenden Kolonien Englands in AVest- und Ostindien, ja auch Holländisch-Indien, wo zum Teil durchaus dieselben klimatischen A'erhältnisse herrschen, mit Afrika. Alan ist erstaunt über den geradezu enormen Abstand, über den auch schon Ross warnend berichtet hat.