Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
514
Einzelbild herunterladen
 

514

Dr. Hans Ziemann.

Neuerdings zeigte Gottstein, daß in Höhenlagen durch den veränderten barome­trischen Druck auf die deckende Glasplatte des Zählapparates Änderungen im Volumen der Zählkammer entstehen können, wodurch die Zahl der roten Blutkörper auch rein mechanisch Schwankungen unterliegt. Jedenfalls werden künftig die betreffenden Unter­suchungen, um zu brauchbaren Resultaten zu führen, auch die übrigen Eigenschaften des- Blutes, wie spezifisches Gewicht, Resistenz der roten Blutkörper etc. zu berücksichtigen haben. Auch sind Untersuchungen bei einem Menschenmaterial, das dauernd unter den­selben Bedingungen lebt, instruktiver für Vergleichungszwecke als 1 ntersuchungen bei Menschen, die nur für kurze Zeit ins Gebirge gehen. Es wären also noch weitere Unter­suchungen nötig über die entsprechenden Verhältnisse bei Europäern mit langem Aufent­halt an der tropischen Küste und im tropischen Gebirge.

A. Blehn sah bei Leuten, die nach Buea geschickt wurden, dort keine Erhöhung- des Hb. (wie in Europa), vielmehr nach Rückkehr in die Ebene eine Verminderung.

Nach den Kameruner Erfahrungen ist dringend jedem Transporte von Darm­kranken, speziell dysenteriekranken .Malarikern, auch von Rheumatikern ins Gebirge zu widerraten.

Küstensanatorien. Ausgezeichnete Resultate kann, wie das Küsten­sanatorium Suellaba in Kamerun beweist, ein Küstensanatorium ergeben.

Dasselbe liegt in gänzlich malariafreier Umgebung, ist leicht zu erreichen und führt bei regelmäßiger, sehr frischer Seebrise und Gelegenheit zu Seebädern in kurzer Zeit durchschnittlich zu einer Steigerung des Hämoglobingehaltes, der Zahl der roten Blntkörper und des Appetits. Ich schicke allerdings dorthin nur Patienten, deren Nach­behandlung mindestens 810 Tage nach der Entfieberung von mir noch mikroskopisch und klinisch kontrolliert war, und die bereits wieder mindestens 50% Hg. aufweisen. Die Schaffung eines zweiten Sanatoriums im Gebirge in ca. 850 m Höhe ist projektiert.

Heimsendung aus den Tropen.

Alle Fieberkranke, deren Herstellung mit den vorhandenen Hilfsmitteln in den Tropen nicht möglich ist, bei denen die Anämie der Behandlung spottet, müssen nach Europa zurückgesandt werden. Das Klima des tropischen Hochgebirges er­setzt nie und nimmer das der gemäßigten Breiten, vgl. Ass mann,Das Klima in AVeyl's Handbuch der Hygiene oder das bekannte Werk von HannKlimatologie.. Zweckmäßigerweise machen die Heimzusendenden, um nicht einen zu plötzlichen Unterschied des Klimas ertragen zu müssen, bei der Rückkehr aus den Tropen, in einem gesunden subtropischen Hafenorte Station, falls nicht die Rückkehr im Sommer erfolgen kann. Die Heimsendung muß unter allen Umständen in Frage kommen bei immer wiederkehrender Neigung zu Schwarzwasserfieber bzw. Chininidiosynkrasie und schweren Schädigungen des Nervensystems und der blutbereitenden Organe, die durch Sanatorienaufenthalt nicht beseitigt werden konnten, ferner bei Neigung zu Albuminurie im Verlauf von Malariaanfällen. In der warmen Jahreszeit ist der Aufenthalt in den Gebirgen der subtropischen und gemäßigten Breiten in Höhen­lagen bis zu GUU1U00 m am empfehlenswertesten. Am besten wähle man warme windgeschützte Orte erst in 4<>050«) m Höhe, um die Kranken dann in Höhen­lagen von 1000 m zu senden. An Badeorten kommen für Malariker mit Milz und Leberkongestionen in Frage Karlsbad, Marienbad, Kissingen, Wiesbaden, in Frank­reich Vichy, in Italien Chianciano und Montecatini, welch letzteres Verf. aus eigener Anschauung empfehlen kann. Eine strenge Individualisierung und äußerst vorsichtige Steigerung der Badekur ist diingend erforderlich. Verf. hat speziell von den milden Bädern Kissingens sehr gute Resultate gesehen. Bei Anämie empfiehlt man die Bäder von Levico und Roncegno, Franzensbad, St. Moritz, Elster, Schwalbach und La. Bourboule.