Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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Dr. Hans Ziemann.

II. Dem Chinin chemisch näher stehende Ersatzmittel.

Die erwähnten unangenehmen Nebenwirkungen des Chinins waren Veranlassung, nach Chininsalzen mit weniger Nebenwirkungen zu suchen. Gros empfahl Chininum livdrobromicum bei Ohrenleidenden und valerianicum bei Nervösen.

Euchinin, der Äthylkohlensäureester des Chinin, ein weißes, sehr volu­minöses, in feinen kristallinischen Nadeln vorkommendes Pulver, in Wasser schwer löslich, ebenfalls in angesäuertem Wasser zu nehmen, wird weitaus am häufigsten als Ersatzmittel des Chinins genommen, da es weniger bitter schmeckt und weniger schädliche Nebenwirkungen auf den Magen und das Nervensystem haben soll. Dem Euchinin sind eine ganze Reihe begeisterter Verehrer entstanden, wie Nikastro, Gree, Hudrerg, iSvLVAiN und viele andere. Letzterer stellt es sogar über das Chinin. Loi sagt ihm gleiche Wirksamkeit wie dem Chinin nach und zieht es bei Kindern vor, gibt jedoch Chininum bimuriaticum bei Perniciosa. Celli und di Mattei schätzen es sehr bei der Anwendung als Prophylaktikum. Zweifellos ist die Wirkung um 1 3 bis die Hälfte schwächer, als die des Chinin. Schwarzwasserfieber vermag es ebenso auszulösen, wie das Chinin, wie Verf. u. a. mehrfach beobachteten.

Es ist zweifellos ein ausgezeichnetes, wenn auch teures Ersatzmittel des Chinins, um chininscheue Personen, bei denen auch Bromkali die Nebenwirkungen des Chinin nicht herabsetzt, für Chiningenuß zugänglicher zu machen, dürfte also vielfach bei einer lange dauernden Chininprophylaxe eine Rolle spielen können. Bei der Behandlung der schwereren Fieber muß es gegenüber dem salzsauren oder doppeltsalzsauren Chinin kurücktreten.

Andere Ersatzmittel des Chinins, Saloc hinin, Neochinin, Aristochin sind von Mühlexs einer Nachprüfung unterworfen. Keines der an­geführten Mittel kann naeji ihm als vollwertiger Ersatz für Chinin gelten, und es ist und bleibt nach den Erfahrungen des Hamburger Tropeninstituts das salzsaure Chinin in Oblaten mit salzsaurem Getränk hinterher das beste Fiebermittel.

Kunst rühmte die Wirkung des Aristochin. Indeß vermisse ich die so wichtige früher erwähnte kritische Würdigung bei der Auswahl der Fälle betr. Neigung zu Spontanheilung. Das Aristochin, der neutrale Kohlensäureester des Chinins, soll geschmackfrei sein, einen hohen Gehalt an Chininbasen besitzen und die bekannten Symptome der Chininvergiftung nicht aufweisen. Auch Baum konnte in 7 Fällen die spezifische Wirkung auf die Malariaparasiten feststellen, ferner Korteweg in l 1 2 so großer Dosis als Chinin. ,

Kolosvary will mit dem Salochinin, dem Salicylsäureester des,Chinin, welches ein geruch- und geschmackloses Pulver ist, in den üblichen medizinalen Dosen des Chinins bei allen Fieberarten Heilung erzielt haben. Nur den Gameto- cyten gegenüber blieb das Mittel wirkungslos.

Mögen alle diese Ersatzmittel in europäischen Malarialändern weiter erprobt werden. In tropischen Gegenden mit gefährlicher Malaria, wo alles auf schnellste Heilung ankommt, sind solche ersten Versuche mit neuen Ersatzmitteln des Chinin direkt zu widerraten.

Chinophenin, ebenfalls ein Chininkoldensäureester, von Kionka als ev. Ersatz des Chinin verwandt. Größere Erfahrungen liegen noch nicht vor.

Cup r ein, Chinäthylin, Ghinopropylin aus der China cuprea hergestellt, wurden ebenfalls als nahe chemische Verwandte des Chinin erprobt, und es soll Cuprein schwächer wirken als Chinin, Chinäthylin und Chinopropylin aber stärker. Chinin ist der Methyläther des Cuprein. Insbesondere sollte auch das Chinäthylin nur schwach toxisch wirken.

Weitere Verwendung haben diese Präparate neuerdings nicht gewonnen. Phenyl-