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Dr. Hans Ziemann.
Chinin himuriat. Inhalt. Die Spitze dieser Tube 'wird abgebrochen und der sterilisierte Inhalt aufgesogen in die peinlich genau sterilisierte, am besten 4 ccm haltende. Spritze. Natürlich muß die Einstichstelle der Kanüle desinfiziert werden. Zweckmäßigerweise zieht man in die Spritze noch so viel von dem abgekochten, also Sterilisiertem Wasser, in dem die Spritze gekocht hatte, bis es eine Chininlösung von 1:4 mit Temperatur von 38° C wird. Durch Heben und Senken der Spritze sorgt mau für Verteilung des Inhalts.
Liehm sah bei lege artis ausgeführten Injektionen keine Abszesse, zog aber bei Perniciosa interne Dosierung als wirksamer und schneller zum Ziele führend vor.
Gros dagegen sah oft Verdickungen nach subkutanen Injektionen und gibt daher Chinin nur per os.
Blümchen löst 1 g Chinin muriatieum in 2 ccm kochenden Wassers, fügt einige Tropfen Normalnatronlauge hinzu und spritzt mit einer sterilisierten Spritze die auf 38 °C abgekühlte Lösung an 2 verschiedenen Körperstellen ein. Er rühmt diese Methode als absolut schmerzlos und sicher wirkend, außerdem als sehr billig. Früher, bis 1894, waren auch in Westafrika ähnliche, meist ebenfalls schmerzlos wirkende, Lösungen üblich, allerdings ohne Zusatz von Normalnatronlauge, jedoch wurden damit keine günstigen Erfahrungen gemacht. Es entstand im Laufe der nächsten Wochen über der Injektionsstelle eine dunkelbläuliche Verfärbung der pergamentartig werdenden Haut. Nach Abstoßung der nekrotischen, 1- bis 2-markstiickgroßen Hautstücke zeigten sich tiefe, bis auf die Fascie reichende, wie mit dem Locheisen ausgeschlagene, sehr schwer zu heilende Wunden. Aus der großen Hartnäckigkeit der Rezidive in jenen Fällen muß man einen hohen 3Iangel an Resorptionsfähigkeit der damals zuerst verwandten Lösungen bei subkutaner Anwendung annehmen.
Die erwähnten unangenehmen Komplikationen veranlaßten Verf. schon damals. 1894, Chinin nach Art der Le wiN'schen Spritzkur bei Syphilis intramuskulär in die Glutäen anzuwenden,
C h i n i n i n t r a m u s k u 1 ä r.
Diese in allen damaligen Lehrbüchern noch nicht erwähnte Anweudungsart hat Verbreitung gefunden. Die Wirkung ist eine äußerst schnell eintretende und intensive. Die weitverbreitete, früher auch von Koch geteilte Auffassung, daß bei subkutaner oder intramuskulärer Injektion des Chinins nur die Hälfte der Dosis wie bei inneren Darreichungen zu geben sei, konnte Verf. indeß schon früher nicht teilen. 1 g mindestens ist notwendig, um Schizonten bei Neuerkrankungen sofort zu zerstören. Das Blut stellt dann bei normalen Menschen eine Chininlösung 1:10001) dar. A. Plehn rühmt die Methode ebenfalls.
Infiltrationen werden bei intramuskulärer Anwendung bedeutend seltener beobachtet, wie bei subkutaner. Dieselben werden stets ein Zeichen sein, daß die Resorption des Chinins momentan keine vollständige gewesen ist, was wichtig sein muß zur Beurteilung der zur Behandlung der Perniciosa und ihrer Rezidive nötigen Chininmengen.
Maurer und Schüffner injizieren 1 g Chin. muriat. aufgelöst in je 1 g Aq. destillat. und Glyzerin.
Intravenöse Injektion des Chinins wandte zuerst Baccelli an in Gestalt einer sterilisierten Lösung von 1 g Chinin mit 1< i g Wasser und 7 cg Kochsalz. Es sollten diese Injektionen besonders bei schwerster Perniciosa Anwendung finden. Trotz dieser heroischen Applikation sind Todesfälle beobachtet worden, da das Chinin gegen die Toxine der Perniciosa eben machtlos ist.
Für den Tropenarzt dürfte die allgemeine Auwendung der intravenösen Injektion äußerst bedenklich und nur aufzusparen sein für verzweifelte Fälle mit drohender Lebensgefahr und großem Reichtum an Parasiten.